in den Büchern

Donnerstag, 31. Juli 2008

Zitat der Woche

"Once you have crafted lenses that change your perspective, it is a great temptation to look at everything through the same spectacles."

James C. Scott "Seeing like a State. How Certain Schemes to Improve the Human Condition Have Failed." New Haven, London: Yale University Press (S. 7)

Freitag, 4. Juli 2008

Straßeneckenethnologie

In Vorbereitung meines Forschungsantrags für die BIGSAS und auf Anraten von Kurt Beck hab ich meine Nase in William Foote Whytes „Street Corner Society“ gesteckt, und darin eine sehr amüsante und spannende Lektüre gefunden. Whyte beschreibt die informelle Organisation eines italienischen Einwandererviertels in Boston in den Jahren 1937-1939. Das amüsante daran ist der Wiedererkennungswert, den die Verstrickungen aus italienischem Familiengeklüngel, illegalem Glücksspiel und Alkoholschmuggel, Politik und Patron-Klient-Beziehungen haben, wenn man an bekannte italo-amerikanische Mafia-Filme denkt. War da etwa Whytes Monographie „Der Pate“? Huahaha.
Sehr spannend: im Anhang schildert Whyte die Entstehung des Buches, inklusive seiner anfänglichen Schwierigkeiten im Feld. Ein für alle feldforschungsambitionierten Ethnologen lesenswertes „Making Of Street Corner Society“.
Lieblingszitat: „Manchmal überlegte ich, ob dieses simple Herumhängen an der Straßenecke ein hinreichend aktiver Vorgang war, um des Begriffs „Forschung“ würdig zu sein. Vielleicht sollte ich diesen Männern Fragen stellen. Trotzdem muß man nicht nur lernen, was man fragen soll, man hat auch zu lernen, wann Fragen angebracht sind und wann nicht“ (S. 304).


Whyte, William Foote (1996): Die Street Corner Society. Die Sozialstruktur eines Italienerviertels. Nach der 3., durchgesehenen und erweiterten Auflage aus dem Jahre 1981 übersetzt von Reinhard Blomert und Joachim Kalka. Mit einer Einführung von Peter Atteslander. Berlin, New York: Walter de Gruyter Verlag.

Dienstag, 1. April 2008

The Invention of Tradition

“Dann kam die Weihnachtszeit, mein allererstes Weihnachten überhaupt, und Julie bestand darauf, dass wir uns gemeinsam einen Baum besorgten. ... „Man muss raus in den Wald und selbst einen Fällen“, sagte sie. „Das ist Tradition“.
„Machst du das jedes Jahr“ fragte ich.
„Na ja, nein, genaugenommen hab ich’s noch nie gemacht. Aber trotzdem ist es Tradition. Es könnte unsere Tradition werden...“ Natürlich genügte die Vorstellung, mit Julie eine Tradition zu begründen, um mich sofort für die Idee zu begeistern.
...
Die Baumfarm Snoqualmie bot bereits geschnittene Kiefern in jeder Größe an, aber Julie war fest entschlossen, der „Tradition“ zu folgen, und bestand darauf, dass wir uns eine Säge borgten und in den Wald marschierten.“

[Aus Matt Ruff: Ich und die anderen]

lekke

culture is ordinary

karibu!

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