Ethnologica

Donnerstag, 21. August 2008

Reading urban space

Dezente Markierung am Wegesrand weist den Weg zum Saufgelage?
Schau genau: verrät uns dieses Piktogramm den Weg zu einem Saufgelage?
Gefunden in Volubilis, Marokko. Die Stadt war Provinzhauptstadt der römischen Provinz Mauretania Tingitana, gegründet im ersten Jahrhundert n.Chr., und erlebte ihre Blüte im zweiten Jahrhundert. Einwohner etwa 10.000 zu dieser Zeit!

Freitag, 18. Juli 2008

Die westliche Aneignung der Afrikanischen Kunst.

Meine Magisterarbeit ist nun online einzusehen.

Samstag, 14. Juni 2008

Beck und Chipchase

Letzten Samstag am Ethnologie Institut: Prof. Kurt Beck hat anlässlich der Verabschiedung des Lehrstuhlinhabers Matthias Laubscher gesprochen. Thema seines Vortrags waren „Brutstätten der Kreativität“. Dabei ging es um die Aneignung des Bedford TJ im Sudan, und die mit dem Umbau zusammenhängenden sozialen Implikationen. Der Vortrag ist nicht neu, ich habe ihn bereits zweimal gehört. Diesmal jedoch leitete Beck mit der Aneignung des Handys ein. Dabei bezog er sich auf Texte und Bilder von Jan Chipchase, einem Ethnologen der für Nokia den Gebrauch des Handys in allen möglichen Gesellschaften der Welt untersucht. Absolut sehenswert auch die Website von Chipchase. Tolle Bilder und intelligente Kommentare und Gedanken.

Mittwoch, 4. Juni 2008

Die westliche Aneignung .... revisited

Nachdem ich letzten Sonntag meinen ersten Vortrag bei der Tagung im Völkerkundemuseum gehalten habe steht jetzt eine kleine Veröffentlichung für das Jahrbuch des Staatlichen Museums für Völkerkunde in München an (Münchner Beiträge zur Völkerkunde) an. Thema ist die Westliche Aneignung der Afrikanischen Kunst, der ich mich im Rahmen meiner Magisterarbeit eingehend gewidmet habe.
Des weiteren bin ich daran, für ein etwaiges Promotionsthema Recherchen zu betreiben. Dabei löse ich mich von meinem Hang zum Musealen, und lese momentan über informelle Wirtschaftssysteme, informelle Systeme der sozialen Sicherung, und Stadtethnologie.

Montag, 21. April 2008

The work of the Imagination

Vermittelt unter anderem durch Massenmedien ist es heute einer größeren Zahl von Menschen weltweit möglich, sich eine größere Bandbreite alternativer Lebensentwürfe vorzustellen, als die in ihrer unmittelbaren Umgebung gelebten (vgl. Appadurai 1998: Modernity at Large). Das individuelle Leben erscheint nicht mehr als zwingende Konsequenz der örtlichen Gegebenheiten, sondern als ein (manchmal unbefriedigender) Kompromiss zwischen dem, was der Einzelne sich von seinem Lebensverlauf erträumt (eben imaginiert) und dem, was die sozialen und materiellen Gegebenheiten ihm zu realisieren erlauben.
Dieser Aspekt von Modernität trifft auf mich als Westeuropäer selbstverständlich ebenso zu, wie auf einen Tansanier in Dar es Salaam. Auch erlaubt mir diese Perspektive einige Phänomene in meinem Alltag in Dar, die als simple „Verwestlichung“ begriffen werden könnten, als spannungsgeladene Aneignungsprozesse zu betrachten.
Zwei Beispiele aus meiner Erfahrung:
Die über Fernsehen und Internet weit verbreitete Hiphop und R´n´B-Kultur (also Musik, Musikvideos, Kleidungsstile, Haarstile, sprachliche Marker (Nigga, Bitches usw.), Attitudes (Gangsta)), ist längst fester Bestandteil urbaner Jugendkultur(en) in Tansania geworden. Die örtlichen Ausprägungen sind Swahili Hip Hop oder auch Bongo Flava-Musik. Ich denke dass für viele junge Menschen hier die us-amerikanischen Gewinnertypen aus den Hiphop- und R´n´B-Videos willkommene Identifikationspunkte sind, die aufgrund ihrer oft afro-amerikanischen Herkunft eine positive Belegung der eigenen afrikanischen Identität begünstigen. Man schimpfe mich einen Lügner und eurozentrischen Nullchecker ob solch vereinfachter Plattitüden – aber das ist mein bisheriger Eindruck. Das Leben und die Identitaet junger Stadtbewohner in Dar wird durch den globalen Flow der Hiphop-Kultur um eine imaginierte Dimension erweitert. Der eigene Lebensverlauf, die eigene Identitaet wird an der medial vermittelten Vorstellungswelt der Bilder gemessen.

Auch fällt mir auf dass viele meiner tansanischen Gesprächspartner ein reges Interesse an Berichten über das Leben in Deutschland haben. Was arbeitet man dort, was verdient man, was kosten Unterkunft, Essen, usw. Meine Präsenz und meine Ausführungen rufen die Imagination auf den Plan, und viele solcher Gespräche enden in Äußerungen meines Gegenübers dass er/sie eines Tages ein Leben in Deutschland führen will. Das eigene Leben wird um die Vorstellung eines moeglichen Lebens in Europa erweitert.

Das Konzept der Imagination, wie ich es bei Appadurai verstanden habe, deckt die Tatsache auf, dass wir alle stets einen Teil unserer Person und unseres Lebens auf einen anderen – imaginierten – Ort, einen alternativen Lebensentwurf projizieren.

Montag, 3. März 2008

Feldforschung! oder nicht?

Grundsätzlich treibt mich der Gedanke um, hier in Tansania Ausschau nach einem möglichen Thema für eine Dissertation zu halten. Die Wortwahl hier weist bereits auf mein Dilemma hin: wer oder was gibt mir das Recht hier meine Nase in fremde Angelegenheiten zu stecken? Ich als weisser Universitätskarrierist (den Begriff verdanken wir Magnus Treiber) komme hierher, und benutze die Lebensumstände der Menschen hier für meine persönlichen Ambitionen. Ich bin mir nicht im klaren darüber, ob ich das vertreten kann. Schliesslich habe ich mit meinen Studienfreunden so viel und hitzig über die Bedeutung der Ethnologie debattiert, wenn sie denn eine hat.
Wem nutzt eine Promotion?
Es kann im 21. Jahrhundert nicht darum gehen, sich ein schönes kleines “Feld” zu suchen, und dann alle hübschen bunten Schmetterlinge einzusammeln und zuhause auf das Reissbrett der Wissenschaft zu heften. Es gibt hier ernsthafte Probleme und die wollen gelöst werden. Dazu ist die Ethnologie nicht der richtige Weg, soviel habe ich begriffen. Im Gegenteil: von wem stammt der kluge Gedanke, durch die Feldforschung reproduziere der Ethnologe eine koloniale Situation? Ein Weisser privilegierter Autor schreibt und erklaert der Welt das Leben von Menschen, die von seinem (akademischen) Erfolg nix haben.
Vielleicht sollte ich lieber meine Finger davon lassen. Meine Nase lieber in meine, unsere eigenen Angelegenheiten stecken. Zuhause gibts auch viel zu tun…

lekke

culture is ordinary

karibu!

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