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    <title>Neues von der Strassenecke. (Feldtagebuch von Alexis Malefakis... und was sonst noch so ist.) : Kommentare</title>
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    <description>Feldtagebuch von Alexis Malefakis... und was sonst noch so ist.</description>
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    <title>Neues von der Strassenecke.</title>
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    <title>Gutes Gift und Blechkanister</title>
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    <description>„Hast du dein Geld und dein Telefon in Sicherheit?“ fragt mich C. als wir uns seitwärts in das Gedränge des Markts schieben. Von der staubigen Straße, dem Lärm und den Abgasen der Minibusse tauchen wir ab unter die Wellblechdächer des Mchikichini-Marktes. Wir sind in Ilala, in unmittelbarer Nachbarschaft vom Marktviertel Kariakoo, dem Herzen Daressalams. Die Sonne ist soeben aufgegangen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich habe mich heute mit C. hier verabredet, um einmal zu sehen, wo die Jungs auf der Straße eigentlich ihre Ware herbekommen. Der Mchikichini-Markt ist die „Quelle“, an der sich Tausende von Straßenhändlern vor Tagesanbruch laben. Hier finden sie die gebrauchten Kleider und Schuhe, Mitumba genannt, die sie zu ihrem Business gemacht haben. Gegen 4 Uhr beginnt das Geschäft. In Ballen zusammengeschnürt kommt die Ware aus Europa, den USA und China. Die Großhändler haben keine Ahnung, welche Qualität die Ware hat, die sie da einkaufen. Sie schneiden die Ballen auf und verticken unsere abgetragenen Hosen, Hemden, Jacken, Handtücher, Unterwäsche, Schuhe. Eben alles, was die Konsummaschine bei uns zu Hause als „unbrauchbar“ ausgekotzt hat. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Schuhbereich finde ich, auf einer Fläche von etwa 60 auf 60 Metern, Reihen von Holzplattformen, vielleicht 1,80 Meter im Quadrat, etwa einen halben bis einen Meter hoch. Darüber, auf einer improvisierten Holzkonstruktion: ein fast durchgängiges Dach aus Wellblech über dem gesamten Markt. Dazwischen: schmale Gänge, in denen sich die Jungs an den Wühltischen drängen. Auf den Holzgestellen liegen Haufen von jeweils zwei- bis dreihundert Schuhen, wild durcheinander. Hochhackige Schuhe neben Oma´s abgetragenen Gesundheitstretern, Sandalen unter  Gummistiefeln und Turnschuhen (auch „rubber“ genannt, nach ihrem Hauptbestandteil Gummi). Am hinteren Ende der Plattformen sitzen die Händler und ihre Frauen. Sie wachen über das Geschäft, dicke Geldbündel in den Händen haltend. Mitten in den Schuhhaufen stehen junge Männer: selber barfuss. Sie rufen die Preise aus und helfen den Kunden, den jeweils fehlenden Schuh eines Paars zu finden. Denn in Wühlnähe der Kundschaft findet sich immer nur ein Schuh. Der dazugehörige Zweite wurde aussortiert und außer Reichweite der Straßenjungs deponiert. So kann sich niemand mit einem Paar aus dem Staub machen, ohne zu zahlen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;img width=&quot;400&quot; alt=&quot;Karume&quot; title=&quot;&quot; src=&quot;https://static.twoday.net/lekke/images/Karume.jpg&quot; height=&quot;317&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;i&gt;Mchikichini-Schuhmarkt &lt;br /&gt;
(Foto (c) Link Reuben 2011)&lt;/i&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einige der Marktstände haben große Lautsprecher an die Holzpfosten gehängt. Auf einem steht ein dicker Subwoofer, aus dem arabisch anmutende und für die Küste Tansanias typische „Taarab“-Musik in knüppeldicker Lautstärke bricht. In den Brei aus Musik, schwüler Hitze und dem Dunst tausender gebrauchter Schuhe mischen sich die „wamachinga“, die Straßenhändler, die heute Morgen gekommen sind um „Arbeit“ zu finden. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mein Freund C. beginnt die Jagd nach brauchbarer Ware. Ich sehe ihm zu, wie er bis zu den Ellbogen in einen Haufen fährt um einen Frauenschuh mit plastik-goldenem Flechtwerk ans Licht zu befördern. „Sumu“ sagt er mir, Gift. Damit lässt sich Geld machen, meint er damit. Ich bin mir da angesichts der Schaurigkeit dieses abgetragenen Treters nicht ganz so sicher, halte mich aber mit meiner Meinung zurück und bleibe in der Rolle des Beobachters. C. fährt mit den Fingern der rechten Hand in den Schuh, und prüft, ob sie ganz in der Spitze des Schuhs verschwinden. „Die Frauen mögen das nicht, wenn in hohen Schuhen ihre Zehen herausgucken,“ sagt er. Er messe das mit seinen Fingern aus. Er dreht und wendet den Schuh, wirft ihn dann aber zurück auf den Haufen. Der goldene Plastiküberzug am Absatz ist total abgeblättert, da hilft auch kein „Superglue“ mehr. Ein wesentlicher Arbeitsschritt in der täglichen Routine der Schuhverkäufer besteht darin, die geschundenen Schuhe wieder verkaufbar zu machen. Viel mehr Hilfsmittel als Wasser, etwas Waschpulver, Schuhcreme in zwei oder drei Farben („Dawa“ genannt, also „Medizin“) und eben Sekundenkleber benutzen sie dazu nicht. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir ziehen weiter. An einem Stand findet C. ein Paar guterhaltener roter Wildlederschuhe, hoher Absatz und „Made in China“. Er ist begeistert. „Sumu“ eben. An diesem Stand gilt es, nach dem individuellen Preis des Schuhs zu fragen. Der Verkäufer nennt den absurden Preis von 22.000 TSh. C. bietet 7.000. In hohem Bogen wirft der Händler den Schuh zurück auf den Haufen und würdigt C. keines weiteren Blickes mehr. C. schüttelt den Kopf. „Der Typ weiß, dass er gute Ware hat.“ Er kann so dreist sein und Preise verlangen, die die Jungs auf der Straße nie im Leben wieder reinholen können. „Warten wir bis später, da ändert sich die Lage,“ meint C. Denn während jetzt die relativ hohen Preise noch „kwa kuelewana“, also durch Nachfragen und Handeln klargemacht werden, werden zu einem späteren Zeitpunkt niedrigere Einheitspreise ausgerufen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;img width=&quot;400&quot; alt=&quot;Mitumba&quot; title=&quot;&quot; src=&quot;https://static.twoday.net/lekke/images/Mitumba.jpg&quot; height=&quot;257&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;i&gt;Frische &quot;Mitumba&quot; - aus Europa? &lt;br /&gt;
(Foto (c) Link Reuben 2011)&lt;/i&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn die besonders begehrten Schuhe weg sind und viele der Straßenhändler bereits haben was sie brauchen, wird „auf den Blechkanister gehauen“. Genauer und auf Kiswahili gesagt: „wanapiga debe“: „Arobaini arobaini arobaini!“ plärrt es über die Köpfe des Getummels hinweg. „Vierzig vierzig vierzig“ bedeutet dabei in Wahrheit „Viertausend viertausend viertausend“. Die Maulfaulheit der Straßenhändler, die ich schon so oft bestaunen durfte, hat wohl hier ihren Ursprung. „Dala dala dala!“ heißt „Fünftausend fünftausend fünftausend!“ Das muss man wissen. Ich wusste es nicht, bevor ich C. fragte. „Sina simu sina simu sina simu!“ ruft einer der Händler aus. Er sagt, er hat kein Telefon: Schnelles Zugreifen ist hier angesagt, denn späteres Nachfragen per Handy gibt´s nicht. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es ist also alles eine Frage des Timings: Rechtzeitig da sein, um noch brauchbare Ware zu finden, aber eben spät genug einsteigen, um günstige Preise zu bekommen. Wir verlassen den Trubel für eine Viertelstunde und trinken am Busstand gegenüber einen Mokka, der Tote aufweckt – ich erwache. Wir kehren zurück zu den Schuhhaufen unter das Wellblech, doch finden wir das schöne Paar roter Schuhe nicht mehr. Schlechtes Timing. Wir streifen weiter durch die Reihen von Ständen. Kaffee-Verkäufer drängen sich an uns vorbei, balancieren ihre Metallkannen auf Wannen mit glühenden Holzkohlen zwischen unseren Beinen hindurch. Am Boden liegen nun wirklich unbrauchbare einzelne Schuhe, eingetrampelt in den Schlamm unter unseren Füßen. Ich treffe den einen oder anderen „achimwene“, einige der „Brüder“, die ich von der Straße kenne. „Holst du dir Arbeit, Alexi?“ fragen sie mich. Ich freue mich darüber, sie hier im Licht der Neonröhren zu sehen und auch diese Seite ihres Alltags endlich kennen zu lernen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nein, „Arbeit“ habe ich mir heute keine geholt. C. aber hat sechs Paar Schuhe eingekauft. Auf dem Rückweg passieren wir das Marktviertel Kariakoo. Er erklärt mir unterwegs, was es mit der Vorliebe der Leute in Daressalam für gebrauchte Ware auf sich hat. „Auch wenn da ‚Made in China’ steht, wissen die Kunden, dass die Schuhe für Europa hergestellt wurden. Die Europäer tragen keinen Mist,“ sagt er. Schuhe dagegen, die als Neuware aus China nach Tansania kommen, gelten als schlechte Ware, oft Fälschungen von Markenartikeln. Ich wundere mich ein wenig. Ich selbst bin mir nicht so sicher, dass diese Schuhe alle auf den Straßen Europas ausgelatscht wurden. In einigen kleben Aufkleber mit Preisen in US-Dollar. Andere könnten ebenso gut direkt aus der Volksrepublik oder Korea kommen. In der Logik der Straße aber hält „USA-Europa“ als Garant für die Qualität der Schuhe her, die eigentlich und irgendwie allesamt aus China kommen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;img width=&quot;400&quot; alt=&quot;Kariakoo&quot; title=&quot;&quot; src=&quot;https://static.twoday.net/lekke/images/Kariakoo.jpg&quot; height=&quot;267&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;i&gt;Das Marktviertel Kariakoo: Geistige Heimat aller Taschendiebe &lt;br /&gt;
(Foto (c) Link Reuben 2011)&lt;/i&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach einer halben Stunde Fußmarsch kommen wir schon etwas erschöpft am Maskani im Zentrum der Stadt an. Die anderen Straßenhändler trudeln ebenfalls langsam ein, um sich und ihre Schuhe fit zu machen für die „Rotation“. C. wäscht und wienert seine neuen Schuhe. Ich sehe ihm dabei zu und bereite mich mental darauf vor, sie ab Mittag gemeinsam mit ihm in den Straßen der Stadt zu präsentieren. Wie wir uns dabei in die Zeittaktung der Stadt einklingen, welche &quot;Force&quot; da mit uns ist, und was ein gewisser &quot;Onkel Mnehu&quot; mit alledem zu tun hat, davon mehr beim nächsten Mal.</description>
    <dc:creator>lekke</dc:creator>
    <dc:subject>Fieldwork</dc:subject>
    <dc:rights>Copyright &#169; 2011 lekke</dc:rights>
    <dc:date>2011-06-04T16:30:00Z</dc:date>
  </item>
  <item rdf:about="http://lekke.twoday.net/stories/603058980/">
    <title>Ein selbstgebauter Stempelgrill</title>
    <link>http://lekke.twoday.net/stories/603058980/</link>
    <description>Das blaue Licht macht den Unterschied. Aber darauf muss man erst einmal kommen. Zunächst hatte Amani seine zusammengezimmerte Holzkiste mit einer einfachen Neonröhre ausgestattet. Dann hat er noch einmal genauer nachgesehen: UV stand da auf dem Zettel. Ultraviolettes Licht brauchte er. Und dann wusste er auch, wo er es finden kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Amani macht Stempel. Mit einer Rasierklinge schnitzt er filigrane Buchstaben, Symbole und Abbildungen spiegelverkehrt und nach Vorlage seiner Auftraggeber in ein Stück Gummi und klebt es auf einen Holzgriff. Angefangen hat er damit bereits als kleiner Junge in einer christlichen Missionsstation im staubigen Hinterland Tansanias. Er wohnte in der Nähe und hatte es sich zur Angewohnheit gemacht, aus der Mülltonne der Mission Essensreste zu stibitzen. Dazu musste er auf einen Baum klettern und sich über den Zaun in die Tonne fallen lassen. Eines Tages saß er in der Tonne als eine Küchenhilfe heiße Asche in die Tonne warf. So flog Amani auf. Er wurde zu seinen Eltern gebracht, die baten darum, dass Amani doch in der Mission leben könne. Man willigte ein. Da war er neun Jahre alt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;img src=&quot;https://static.twoday.net/lekke/images/2014-01-02-09-57-05.jpg&quot; width=&quot;240&quot; alt=&quot;2014-01-02-09-57-05&quot; align=&quot;left&quot; title=&quot;&quot; class=&quot;left&quot; height=&quot;320&quot; /&gt;Er lebte dort als Botenjunge, brachte Brot und Milch aus dem Dorf zu den Häusern der Mission. Eines Tages wollte ein Missionsmitarbeiter in die Provinzstadt reisen, um dort Stempel machen zu lassen. Amani sagte großspurig, man solle lieber ihm das Geld geben, er könne das machen, schließlich hat er schon einmal zugesehen, wie ein Stempelmacher den Gummi bearbeitet. Er bat um alte Skalpelle aus der Missions-Krankenstation, man ließ ihn gewähren. Für seinen ersten Stempel hat er damals 400 Tansanische Schillinge bekommen. Davon hat er Schulshorts und Hemden für sich und seinen Bruder gekauft. Amani der Stempelmacher – ein selbstgemachter Mann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;img src=&quot;https://static.twoday.net/lekke/images/2014-01-02-09-52-46.jpg&quot; width=&quot;320&quot; alt=&quot;2014-01-02-09-52-46&quot; align=&quot;left&quot; title=&quot;&quot; class=&quot;left&quot; height=&quot;240&quot; /&gt;Vor einiger Zeit bat mich Amani einmal eine Recherche für ihn im Internet zu machen. Es gäbe da Maschinen, die würden Stempel nach Computervorlage herstellen. Ich fand sie bei Herstellern in China. Kostenpunkt einige Millionen Tansanische Schillinge. Da konnte Amani nicht mithalten, und ich konnte ihm auch nicht so holterdipolter eine spendieren. Wenigstens aber konnte ich eine Beschreibung dieser Wunderkisten aus dem Internet ausdrucken. Da stand dann auch das mit dem blauen Licht drinnen. Amani so: Ich mach das selber, gib mal her. Als wir uns diese Woche wiedersehen führt er mich von seinem Stand auf der Straße, unmittelbar vor dem Hinterhof, den der geübte Leser dieses Blogs als Treffpunkt der Schuhverkäufer erkennen wird, in den Hauseingang, die Treppe hinauf, zu seinem neuen „Büro“ in einer Ecke des Balkons. Ich staune nicht schlecht als er den weißen Schrank aufklappt und – tadaaaa! – da steht er: der Prototyp seiner Stempelmaschine. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;img src=&quot;https://static.twoday.net/lekke/images/2014-01-02-09-52-34.jpg&quot; width=&quot;320&quot; alt=&quot;2014-01-02-09-52-34&quot; align=&quot;left&quot; title=&quot;&quot; class=&quot;left&quot; height=&quot;240&quot; /&gt;Und so funktioniert´s: Sein junger Kollege Richard entwirft am Laptop das Design des Stempels, nach Vorgabe der Kunden, die Amani nach wie vor auf der Straße finden. Das Design wird auf transparentes Papier gedruckt, ausgeschnitten, und auf ein passendes Stück Gummi geklebt. Amani sagt, das sei „Polymer“, und mir reicht der Hinweis, dass der Gummi seine Eigenschaften verändert, sobald er in der Maschine war. Der Trick ist nämlich, dass der belichtete Gummi gehärtet wird, unbelichteter Gummi aber sich in Benzin auflöst. Die gedruckte Schablone auf den Gummi geklebt führt also dazu, dass die erwünschte Schrift und sonstiger Schnickschnack dem blauen Licht ausgesetzt wird. Wird das Gummiteil anschließend in Benzin gebürstet, so bleiben nur diese Teile stehen, und es entsteht eine astreine Druckfläche. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;img src=&quot;https://static.twoday.net/lekke/images/2014-01-02-09-53-08.jpg&quot; width=&quot;320&quot; alt=&quot;2014-01-02-09-53-08&quot; align=&quot;left&quot; title=&quot;&quot; class=&quot;left&quot; height=&quot;240&quot; /&gt;In der experimentellen Phase hatte Amani auf gewöhnliches Neonlicht als Härter gesetzt. Das half aber überhaupt nicht. Also las er nochmal in dem Zettel nach, den ich ihm ausgedruckt hatte. Da stand irgendwas von „UV“. Also besorgte Amani sich so eine Insektenfalle, bei der ultraviolettes Licht lästiges Flatterzeug dazu verführt auf einem Elektrogrill zu braten. Noch im Laden begann er das Ding aufzuschrauben, was den indischen Händler hinterm Tresen schon nervös machte. Amani beruhigte ihn, auf seine Garantie würde er getrost pfeifen, er habe größeres mit den Einzelteilen vor.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;img src=&quot;https://static.twoday.net/lekke/images/2014-01-02-09-54-22.jpg&quot; width=&quot;320&quot; alt=&quot;2014-01-02-09-54-22&quot; align=&quot;left&quot; title=&quot;&quot; class=&quot;left&quot; height=&quot;240&quot; /&gt;„Das ist modernste Technologie mein Freund“, scherzt er jetzt. Ich bin ehrlich beeindruckt und kann ihm nur gratulieren. Bei einigen seiner Kollegen auf der Straße hat die Neuigkeit schon die Runde gemacht: Amani kann´s mit blauem Licht. Sie bringen ihm ihre Aufträge vorbei, Richard bereitet sie am Computer vor, und Amani gibt sie in den Neongrill. Und nicht nur das kurbelt das Geschäft an: Amani hat bereits Anfragen bekommen weitere Stempelmaschinen zu bauen. Die wird er sich gut bezahlen lassen.</description>
    <dc:creator>lekke</dc:creator>
    <dc:subject>Fieldwork</dc:subject>
    <dc:rights>Copyright &#169; 2014 lekke</dc:rights>
    <dc:date>2014-01-03T15:33:00Z</dc:date>
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  <item rdf:about="http://lekke.twoday.net/stories/232602236/">
    <title>Viagra-Überschrift.com</title>
    <link>http://lekke.twoday.net/stories/232602236/</link>
    <description>Nicht mehr hier und noch nicht dort. Ich so am Flughafen Doha, Übergang und liminale Phase, Victor Turner und alles, ist ja ein alter Hut. Sehr viel lebensweltlicher und hoffentlich schockierender dagegen: Im Ruheraum des Wartebereichs riecht es streng nach Füßen. Nach internationalen Füßen, immerhin. Ich versuche meine Beine auszustrecken, was auf den vermeintlich ergonomisch geformten Liegen nicht funktioniert, weil sie so kurz sind, dass die Beinlehne nur bis zum Unterschenkel reicht. Nach einigen Minuten muss ich meine Lage wechseln, weil die Kante der Beinlehne den Füßen das Blut abschnürt. Aus Protest ziehe ich meine Schuhe aus und mische mich olfaktorisch unter die Wartenden. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Rest vom kleinen Flughafen ist im Grunde eine Shopping-Mall für Luxus- und Designerwaren. Die üblichen Parfums, Fotoapparate, Mobiltelefone, Armbanduhren. Alles glitzert, täuscht Weltgewandtheit und Modernität, vielleicht sogar Kultiviertheit vor. Dieser Korpus an Dingen  ist hier mitten ins Herz der Fremdheit eingebaut, mitten zwischen uns Reisende aus allen Windrichtungen gestellt worden, die wir uns hastig anblicken und mustern, Gemeinsamkeiten und Fremdartigkeiten in Sekundenbruchteilen erfassen und dabei frei von der Leber stereotypisieren (ich zumindest). Die Auslagen der Stände und Geschäfte sind vielleicht ein Kristallisationspunkt der internationalen Warenwelt. Diese Dinge begleiten uns auf unseren Wegen quer durch die Welt, von Sydney nach Frankfurt, von Manila nach Washington, von Kinshasa nach Moskau. Genaugenommen &lt;i&gt;begleiten &lt;/i&gt;sie uns nicht, also zumindest mich nicht, denn neben mir saß im Flugzeug keine Rolex, sondern eine bayrische Geschäftsfrau mittleren Alters und schweren Akzents, mit ihrer vielleicht achtjährigen Tochter und ihrer Mutter, auf dem Weg über Doha nach Dubai. Nein, auf diese Dinge stoße ich in Doha. Hier erscheinen sie als ein Sammelsurium an portablen Zeichen, die die Zugehörigkeit zu einer Idee von kommerziell universalisierter Elite sichtbar machen, egal an welchem kulturellen, religiösen oder politischen Herdfeuer der Träger sich nach seiner Heimkehr wärmen wird. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;img width=&quot;388&quot; alt=&quot;Glitzernder Schein: Der Duty Free Bereich eines international riechenden Flughafens irgendwo am Arabischen Golf.&quot; title=&quot;Glitzernder Schein: Der Duty Free Bereich eines international riechenden Flughafens irgendwo am Arabischen Golf.&quot; src=&quot;https://static.twoday.net/lekke/images/Internationale-Fuesse.jpg&quot; height=&quot;400&quot; /&gt; &lt;br /&gt;
&lt;i&gt;Glitzernder Schein: Der Duty Free Bereich eines &lt;br /&gt;international riechenden Flughafens irgendwo am Persischen Golf.&lt;/i&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der chinesische Handelsreisende neben mir – das sag ich jetzt mal, woher soll ich denn wissen, wer er ist und was er hier macht? Also nochmal: Der chinesische Handelsreisende neben mir auf der Liege dreht sich um und grunzt wohlig dabei, als wolle er damit folgenden Gedanken bekräftigen: Dinge sind wie Worte, sie können auf etwas außerhalb ihres unmittelbaren Kontextes verweisen, machen aber vor allem Sinn und erhalten ihre Bedeutung vor allem in konkreten Situationen und durch den Umgang konkreter Menschen mit ihnen. Dinge wie Worte. Ich denke da an Begriffe, die sich loslösen von ihrem Herkunftszusammenhang, um aus welchen Gründen auch immer durch Raum und Zeit zu wandern, um an völlig anderen Orten wieder aufzutauchen. „Asia in Miniature“ ist ein Beispiel, das James Ferguson in seiner durch und durch lesenswerten Copperbelt Ethnographie „Expectations of Modernity“ erwähnt. &quot;Asia in Miniature,&quot; das steht an einer Hauswand in Fergusons Nachbarschaft. Und nachdem der Ethnograph wochenlang grübelte, was damit gemeint sein könnte, eröffnete ihm ein „Informant“, dass diese Worte wohl jemand aus einem Schulbuch abgeschrieben hatte, der gar kein Englisch konnte. Hm. Alles weitere Bohren und Fragen Fergusons, was diese Botschaft denn nun bedeuten sollte, führte also zu der vollkommen folgerichtigen Antwort: Nichts! &lt;br /&gt;
Feldforschung kann so schön sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich denke in diesem Zusammenhang auch an das „New Viagra Pub“ irgendwo in Daressalam, dessen Namensgebern man durchaus eine sinnstiftende und irgendwie die Menschen zusammenführende Absicht in ihrer Namenswahl unterstellen kann. Genau weiß ich das aber nicht und vermute, dass auch hier das „weiße Rauschen“ der Kultur am Werk war. Oder die Aufschrift auf dem selbstgezimmerten Bretterwürfel am Straßenrand, in dem ich mir einst von einem zugedröhnten Bürschlein die Haare scheren ließ:  „Thug Life Barber Shop.com“. Die Internetseite habe ich nie gefunden, vielleicht auch nie danach gesucht, wer weiß das schon. Aber „dot com“ macht sich in jedem Fall gut. Dann wäre da noch das fahrende soziale Netzwerk, der städtische Minibus mit der weißen Heckscheibenaufschrift auf blauem Grund: „facebook“, den ich ständig an mir vorbeidonnern sehe, wenn ich meinen Fotoapparat gerade mal nicht bei der Hand habe. Dabei ist er eigentlich mein Favorit, da er diesem unfassbaren, immateriellen Internetgelöt eine greifbare und darüber hinaus herrlich qualmende und stinkende Materialität schenkt. Facebook, ganz ohne Internetanschluss: einfache Fahrt 300 Schillinge.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was lernen wir daraus? „Sinngebungen über kulturelle Kontexte hinweg haben nicht unbedingt etwas mit kultureller Vereinheitlichung oder &apos;MacDonaldisierung&apos; zu tun.“ Sagt wer? Viele sagen das (Soundso et al. 2012). Und: Manchmal wandern die Zeichen und Bedeutungen auf Umwegen ins Nirgendwo, manchmal geht ihre ursprüngliche Bedeutung unterwegs einfach verloren. Jetzt hätte ich fast mit einer nicht neuen, aber doch hübsch formulierten Konklusion geendet, deswegen schiebe ich noch rasch das hier hinterher: Ich finde das tröstend und durchaus ermutigend, dass nicht immer alle so genau wissen oder erklären können was sie tun. Da mache ich mit.</description>
    <dc:creator>lekke</dc:creator>
    <dc:subject>Fieldwork</dc:subject>
    <dc:rights>Copyright &#169; 2012 lekke</dc:rights>
    <dc:date>2012-12-28T06:14:00Z</dc:date>
  </item>
  <item rdf:about="http://lekke.twoday.net/stories/326200141/">
    <title>Die Pfützjungfrau von Kariakoo</title>
    <link>http://lekke.twoday.net/stories/326200141/</link>
    <description>Verließ ich mein Häuschen im Grünen um Besuch vom Flughafen abzuholen. Schöner Anfang für eine schöne Geschichte. Wäre da nicht: Die Regenzeit. Als ich mit dem Taxi auf die Fähre fuhr, um den indischen Ozean Richtung Stadtzentrum zu überqueren, war von der Sonne schon nichts mehr zu sehen. Über der Bucht tiefschwarze Regenwolken. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als die ersten Tropfen die Passagiere auf Deck erreichten und auf unserer Windschutzscheibe platzten, drehte die Musik im Radio auf Kitsch. Die kalifornische Band &quot;Toto&quot; dudelte ihren glattgebügelten High-End-Pop über die Suche nach Seelenfrieden auf dem afrikanischen Kontinent: &quot;I bless the rains down in Africa&quot; kreiste der Refrain. Da konnte ich mich nicht direkt anschließen, hatte ich doch oft erlebt, wie die ganze Stadt unter der Gewalt der Regengüsse zum Erliegen kam. Trotzdem irgendwie witzig, die Ironie, hier, in Afrika, im Regen, im Auto... J., der am Steuer saß, bekam von diesem Witz nichts mit. Er sprach kein Englisch.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Wasser stürzte auf uns runter und als wir auf der anderen Seite die kurze Rampe zur Straße hochfuhren, hatte sich der eben noch besungene Regen bereits in einen wahren Fluch verwandelt. Klitschnasse Leute rannten davon, irgendwohin, hielten sich Zeitungen oder Plastiktüten über ihren Kopf. Wir steckten mitten im Regen und sofort in einem handfesten Stau. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit dem Regen bricht der Verkehr in Dar komplett zusammen. Die Leute wissen wenn der Regen kommt, dann nichts wie raus aus der Stadt, solange es noch geht, denn ab einem  bestimmten Zeitpunkt sind alle Busse überfüllt, alle Straßen zu, nichts geht mehr, und zwar garnichts mehr. Stau bis in die Hölle. Eine sich selbst erfüllende Prophezeiung also. Als wir nach zwanzig Minuten immer noch nicht vom Fährhafen weggekommen waren, wurde ich langsam unruhig. Mein Gast würde in einer Stunde landen, und ich war noch viele Kilometer vom Julius Nyerere Flughafen entfernt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unsere Spur war komplett zu, also begannen die Leute auf die Gegenfahrbahn auszuscheren, in dem durch und durch naiven Glauben so am Stau einfach vorbeizufahren. Ähä? Die Rechnung ging natürlich nicht auf, sondern hatte nur den Effekt, dass nun auch die Autos, die aus den Seitenstraßen einbiegen wollten, dies nicht tun konnten, so dass sich der Stau sukzessive in sämtliche Nebenstraßen ausbreitete. Im Auto hatte es wohl  an die 30 Grad. Und draußen immer noch Platzregen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir beschlossen den Stau zu umfahren und uns durch die hinteren Straßen, auf der anderen Seite der Stadt Richtung Flughafen durchzudrängeln. Wir quälten uns also bis nach Kariakoo hinein, in das notorisch überbevölkerte Marktviertel, um - Überraschung: im nächsten Stau zu stecken. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mein Freund aus Deutschland war nun laut Flugplan bereits gelandet und die Kreuzung vor uns war komplett zu. In den winzigen Lücken zwischen den verkeilten Autos, Stadtbussen, Kleinlastern, Dreirad-Rikschas und SUVs standen Leute, die Fahrer wohl von den festgesetzten Bussen, und versuchten verzweifelt, die sich hineindrängenden Autofahrern zu disziplinieren. Sie gaben den drängelnden Fahrern Anweisungen, wer von ihnen bei der nächsten Bewegung der stinkenden Autoschlange in die Kreuzung einfahren durfte. Natürlich wusste jeder es besser als die anderen. Großes Kino. Es ging im Wesentlichen um wildes Rudern mit beiden Armen und lautstarkes Durcheinanderplärren von widersprüchlichen Befehlen durch die jeweils einzelnen Busfahrer. Verkehrskreuzigung, sozusagen. Meine Damen und Herren: Nichts geht mehr, und es wird auch nie wieder überhaupt irgendetwas gehen, niemals. Ich bin gefangen im Stau, hier in Kariakoo, für immer. Für immer immer? Für immer immer immer. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;img src=&quot;https://static.twoday.net/lekke/images/tim.jpg&quot; width=&quot;267&quot; alt=&quot;tim&quot; align=&quot;left&quot; title=&quot;&quot; class=&quot;left&quot; height=&quot;400&quot; /&gt;Ich spielte ernsthaft mit dem Gedanken auszusteigen und ein Stück des Weges zu Fuß zu gehen. Ich könnte meine nassen Schuhe gegen einen Regenschirm eintauschen. Ich würde dann versuchen, über die Dächer der feststeckenden Autos zu springen, mit dem Regenschirm Pirouetten drehend, bei jedem Satz die glitschig-schlammigen Füße elegant zusammenschlagend, bis ich am vorderen Ende der Autoschlange vermutlich in eine Pfütze galaktischen Ausmaßes hineingleiten würde, in Zeitlupe am besten, ich tauche auf und lasse mich treiben, greife nach dem Autoschlauch der an mir vorüberzieht, klammere mich daran fest und recke den Kopf in die Höhe, um einige Tropfen des herabfallenden Wassers zu trinken, eine Meerjungfrau, nein, eine Pfützjungfrau taucht neben mir auf und lächelt mich mit schwarz-braunen, wässrigen Augen an, sie greift nach meiner Schulter.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nein, es ist J. der mich wachrüttelt. Wir fahren! Ich richte mich in meinem Sitz auf, kurble das Fenster herunter und bekomme endlich frische Luft zu atmen. Der Regen hat aufgehört und wir haben Kariakoo und den Stau hinter uns gelassen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am Flughafen treffe ich, ganz in tansanischer Manier, mit einer geschlagenen Stunde Verspätung ein. Mein Gast nimmt´s gelassen: Ich treffe knappe zwei Meter T. entspannt auf seinem Rucksack lungernd an, die langen Beine in lässige Schlaghosen gesteckt, ganz wie ich ihn kenne. Im Mundwinkel die obligatorische Fluppe. &quot;Hallo kleiner Mann,&quot; begrüßt er mich.</description>
    <dc:creator>lekke</dc:creator>
    <dc:subject>Fieldwork</dc:subject>
    <dc:rights>Copyright &#169; 2013 lekke</dc:rights>
    <dc:date>2013-03-09T07:45:00Z</dc:date>
  </item>
  <item rdf:about="http://lekke.twoday.net/stories/453138449/">
    <title>Hinterhof´s (second) most famous</title>
    <link>http://lekke.twoday.net/stories/453138449/</link>
    <description>Guten Morgen meine Herren und da können wir noch was lernen: den &quot;Knie-Zitterling&quot; zum Beispiel oder den &quot;Moped-Move&quot;. Die &quot;Watoto wa Morogoro&quot; zeigen in der heutigen Lektion noch einmal was ein Hüftschwung ist, für alle die untenrum etwas verspannt sind. Ich mag außerdem den selbstgebauten Bass ganz links außen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;a href=&quot;http://www.youtube.com/watch?feature=player_detailpage&amp;amp;v=IKw4vFDC1rs&quot;&gt;&lt;img width=&quot;400&quot; alt=&quot;Ich sag mal: Klicke auf das Bild um zum Video zu gelangen.&quot; title=&quot;Ich sag mal: Klicke auf das Bild um zum Video zu gelangen.&quot; src=&quot;https://static.twoday.net/lekke/images/Watoto-Moped.jpg&quot; height=&quot;288&quot; /&gt;&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;
&lt;i&gt;Ich sag mal: Klick&lt;/i&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;

Ach so, die hatten wir ja schonmal als sie den &lt;a href=&quot;http://lekke.twoday.net/stories/326203771/&quot;&gt;Herren aus Deutschland &lt;/a&gt;besungen haben. Wir erinnern uns. Heute dann zum Schluß im Chor: &quot;Wenn Du heiraten willst, heirate eine Köchin. Wenn Du dann mal kein Geld hast, isst Du zumindest umsonst.&quot; In diesem Sinne.</description>
    <dc:creator>lekke</dc:creator>
    <dc:subject>Fieldwork</dc:subject>
    <dc:rights>Copyright &#169; 2013 lekke</dc:rights>
    <dc:date>2013-08-07T19:31:00Z</dc:date>
  </item>
  <item rdf:about="http://lekke.twoday.net/stories/326203771/">
    <title>Zum mitsingen: Hinterhof&apos;s most famous</title>
    <link>http://lekke.twoday.net/stories/326203771/</link>
    <description>&quot;Hier im Stadtzentrum kennen dich wirklich alle. Kein Wunder, dass man jetzt auch Lieder über dich singt.&quot; So ganz glaube ich es ihm ja nicht, meinem alten Freund C., aber ich fühle mich trotzdem geschmeichelt, als die &quot;Watoto wa Morogoro&quot; ihren Gassenhauer &quot;Baba Alexi&quot; schmettern: Sie besingen den &quot;Herrn aus Deutschland&quot; und loben seine strahlende Persönlichkeit. Er mag kein leeres Geschwätz, ist astrein gekleidet und scherzt mit allen Leuten, egal welchen sozialen Stands. Hört hört!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die sechs Jungs sind eine selbstgebastelte Band. Sie klopfen und zupfen zusammengezimmerte Instrumente und spielen teils Eigenkompositionen, teils bekannte Hits. So ziehen sie durch die Straßen und Hinterhöfe der Stadt um ein paar Schillinge zu verdienen. Und heute kommen sie in &quot;unserem&quot; Hinterhof vorbei, gerade als ich mich mit meinem Kumpel C. treffe, den ich lange nicht gesehen habe. Den &quot;Baba Alexi&quot; intonieren sie spontan, nachdem sie mich als einzigen Weißen im Publikum entdeckt haben und meinen Namen und meine Herkunft in Erfahrung gebracht haben. Schlauberger.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Muddi schwingt die Hüften, C. lacht und die &quot;Kids aus Morogoro&quot; grinsen mich an: &quot;Papa Alexi&quot; geht das alles runter wie Öl, mein eigener Song, ein Gassenhauer im wahrsten Wortsinn. Hab ja lange genug auf meine fünf Minuten Ruhm gewartet. Geile Sache also. Die lasse ich mir doch gerne ein paar Tausender kosten, knipse ein paar Bilder und mache ein Filmchen. Das sollst Du, liebe Leserin, &lt;a href=&quot;http://youtu.be/ycEYniONRpU&quot;&gt;hier sehen&lt;/a&gt;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;a href=&quot;http://youtu.be/ycEYniONRpU&quot;&gt;&lt;img width=&quot;400&quot; alt=&quot;Selbstgebastelt: Die &amp;quot;Kids aus Morogoro&amp;quot; zu Besuch.&quot; title=&quot;Selbstgebastelt: Die &amp;quot;Kids aus Morogoro&amp;quot; zu Besuch.&quot; src=&quot;https://static.twoday.net/lekke/images/2013-03-14-15-40-40.jpg&quot; height=&quot;400&quot; /&gt;&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;
&lt;i&gt;Selbstgebastelt: Die &quot;Kids aus Morogoro&quot;. &lt;br /&gt;(Klicke auf das Bild um zum Video zu gelangen)&lt;/i&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und dann zum mitsingen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mtanasheti, mcheka na watu&lt;br /&gt;
Baba Alexi ye (hakuna mwengine)&lt;br /&gt;
Baba Alexi, mzee wa Germany&lt;br /&gt;
Yeye hapendi maneno fitina wala dharau&lt;br /&gt;
Mtanashati, mcheka na watu&lt;br /&gt;
Baba Alexi&lt;br /&gt;
...&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schick gekleidet und lacht mit den Leuten&lt;br /&gt;
Papa Alexi (es gibt keinen anderen)&lt;br /&gt;
Papa Alexi, der Herr aus Deutschland&lt;br /&gt;
Ist kein Freund scheinheiliger Worte und mag keine Herablassung&lt;br /&gt;
Schick gekleidet und lacht mit den Leuten...&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
...und so weiter.</description>
    <dc:creator>lekke</dc:creator>
    <dc:subject>Fieldwork</dc:subject>
    <dc:rights>Copyright &#169; 2013 lekke</dc:rights>
    <dc:date>2013-03-14T18:29:00Z</dc:date>
  </item>
  <item rdf:about="http://lekke.twoday.net/stories/434212999/">
    <title>Work in progress III</title>
    <link>http://lekke.twoday.net/stories/434212999/</link>
    <description>&quot;Wir sind dann weiter zu &apos;Hazina&apos;, wo er sagte er habe eine Kundin. Er bat mich aber draußen an der Straßenecke zu warten. Ich nutzte die Gelegenheit um ein paar Notizen zu machen. Er kam zurück ohne verkauft zu haben. Er fragte mich, was &apos;blue monday&apos; bedeute. Die Kundin habe das wohl gesagt. Ich erklärte ihm, blue monday sei, wenn man keine Freude habe, so wie viele Verkäufer sagen, am Montag gäbe es kein Geld für sie. Er verstand. Er erzählte mir von einem Song, den er geschrieben habe, &apos;Hard Times&apos;, ich sagte ihm, er könne einen weiteren schreiben, und ihn &apos;Blue Monday&apos; nennen.&quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;i&gt; Aus meinen Feldnotizen, Montag, 30. Mai 2011&lt;/i&gt;</description>
    <dc:creator>lekke</dc:creator>
    <dc:subject>Fieldwork</dc:subject>
    <dc:rights>Copyright &#169; 2013 lekke</dc:rights>
    <dc:date>2013-06-28T15:13:00Z</dc:date>
  </item>
  <item rdf:about="http://lekke.twoday.net/stories/404096371/">
    <title>Stampfen, Bruzeln, Schnibbeln</title>
    <link>http://lekke.twoday.net/stories/404096371/</link>
    <description>Die Mutter stampft getrocknete Maniokwurzeln mit den Töchtern, der Vater röstet Cashews mit dem Sohn - und der Ethnologe? Der hält die Kamera drauf und Schnibbelt dieses Filmchen daraus: Bitte sehr (klick mal auf´s Bild).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;a href=&quot;http://www.youtube.com/watch?v=jG5ZTbteHXo&quot;&gt;&lt;img width=&quot;400&quot; alt=&quot;Miungo-Film&quot; title=&quot;&quot; src=&quot;https://static.twoday.net/lekke/images/Miungo-Film.jpg&quot; height=&quot;283&quot; /&gt;&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Oh und fast hätte ich´s vergessen: Entstanden sind die Aufnahmen bei einem Besuch im Dorf Miungo tief im Süden Tansanias, als mich mein Freund C. liebenswerter Weise mitnahm an den Hof seiner Familie. Darüber hatte ich bereits &lt;a href=&quot;http://lekke.twoday.net/stories/75225393/&quot;&gt;hier &lt;/a&gt;berichtet.</description>
    <dc:creator>lekke</dc:creator>
    <dc:subject>Fieldwork</dc:subject>
    <dc:rights>Copyright &#169; 2013 lekke</dc:rights>
    <dc:date>2013-05-09T06:41:00Z</dc:date>
  </item>
  <item rdf:about="http://lekke.twoday.net/stories/366105422/">
    <title>Work in Progress II</title>
    <link>http://lekke.twoday.net/stories/366105422/</link>
    <description>&lt;img width=&quot;530&quot; alt=&quot;wordle-schuhe&quot; title=&quot;&quot; src=&quot;https://static.twoday.net/lekke/images/wordle-schuhe.jpg&quot; height=&quot;318&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;i&gt;Die häufigsten Begriffe eines aktuellen Working-Papers zu meiner Feldforschung&lt;/i&gt;</description>
    <dc:creator>lekke</dc:creator>
    <dc:subject>Fieldwork</dc:subject>
    <dc:rights>Copyright &#169; 2013 lekke</dc:rights>
    <dc:date>2013-05-03T12:56:00Z</dc:date>
  </item>
  <item rdf:about="http://lekke.twoday.net/stories/326529526/">
    <title>beim Durchstöbern des Materials III</title>
    <link>http://lekke.twoday.net/stories/326529526/</link>
    <description>&lt;img width=&quot;400&quot; alt=&quot;Schuhe am Kijiweni, März 2013.&quot; title=&quot;Schuhe am Kijiweni, März 2013.&quot; src=&quot;https://static.twoday.net/lekke/images/2013-03-14-14-38-20.jpg&quot; height=&quot;300&quot; /&gt;&lt;br /&gt;&lt;i&gt;Schuhe am Maskani, März 2013.&lt;/i&gt;</description>
    <dc:creator>lekke</dc:creator>
    <dc:subject>Fieldwork</dc:subject>
    <dc:rights>Copyright &#169; 2013 lekke</dc:rights>
    <dc:date>2013-04-03T10:42:00Z</dc:date>
  </item>
  <item rdf:about="http://lekke.twoday.net/stories/235553676/">
    <title>Beim Durchstöbern des Materials II</title>
    <link>http://lekke.twoday.net/stories/235553676/</link>
    <description>&lt;img width=&quot;400&quot; alt=&quot;Hosenverkaeufer&quot; title=&quot;&quot; src=&quot;https://static.twoday.net/lekke/images/Hosenverkaeufer.jpg&quot; height=&quot;328&quot; /&gt;&lt;br /&gt;&lt;i&gt;Foto Link Reuben (c) 2012&lt;/i&gt;</description>
    <dc:creator>lekke</dc:creator>
    <dc:subject>Fieldwork</dc:subject>
    <dc:rights>Copyright &#169; 2013 lekke</dc:rights>
    <dc:date>2013-02-07T23:03:00Z</dc:date>
  </item>
  <item rdf:about="http://lekke.twoday.net/stories/233327080/">
    <title>Bäh. Oder: Versuch über die Stille</title>
    <link>http://lekke.twoday.net/stories/233327080/</link>
    <description>Es dröhnt. Ok? Es scheppert und kracht. Dann dröhnt es wieder. Oh Mann. Die Gehörgänge machen dicht. Die Basslinie dringt in den Kopf und drückt das Gehirn zur Seite. Jeder Ton, jede Frequenz des Bass setzt ein anderes Körperteil in Schwingung. Zwischen Brust und Kopf. Jetzt flackert das Licht. Kurz verliere ich die Orientierung. Der Basslauf ist durch, die Optik wird wieder scharf. Dann wieder fährt das Dröhnen vom Bauch in die Birne. Es macht der DJ eine Ansage. Ich kneife die Augen zusammen, bei jedem Zischlaut aus seinem Mund. Ich will das gar nicht, muss ein Reflex sein. Damit das Gehirn nicht in Scheiben geschnitten wird. Hat die Natur so eingerichtet. Oder der Liebe Gott, da gehen die Meinungen auseinander. Die Bedienung lahmarscht durch die akustische Hölle und sagt Unverständliches. Sie bewegt die Lippen, ich nicke, zucke gleich darauf mit den Schultern und recke einen Finger in die Höhe. Sie geht. Gutes Gespräch. Sie wird mir vermutlich Bier bringen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich blicke mich um. Im trüben Licht roter und blauer Neonröhren, auf Plastikstühlen, gruppiert rund um Plastiktische, um Bäume herum und unter einem hohem Palmblätterdach, sitzen dutzende Männer. Geplättet. War ein heißer Tag heute. Wie immer eigentlich. Jetzt gibt’s Bier. Oder Konyagi, &quot;The Spirit of the Nation&quot;. Wer die Flasche leer hat legt sie vor sich auf den Tisch. Dann weiß die Bierbringerin was zu tun ist. Ganz ohne Reden. Man drückt auf dem Handy herum. Drück drück. So wie ich, der ich diese possierlichen Beobachtungen hier und in just diesem Moment der Berühroberfläche meines Smartphones aufstreiche. Ich und diese Männer, und die Männer untereinander: Wir könnten uns jetzt auch anschreien, durch den Lärm hindurch, wie geht’s und all das. Was gibt´s Neues und so. Und wer hat wieder welchen Vogel abgeschossen heute.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tun wir aber nicht. Wir schweigen. Noch nicht mal uns an, sondern einfach: Schweigen, jeder für sich. Da gibt´s nix herzugeben oder mitzuteilen. Dafür dann diese Frage, also echt mal, an mich selbst gestellt: Diese Lautstärke, wieso eigentlich? Es war doch eh schon so laut in der Stadt heute. Auf dem Weg dorthin kreischte die Musik im Daladala. Die Generatoren auf der Straße: Akustischer Terror. Und dann überall Leute. Ständiges Gegrüße und Gequatsche. Überall Autos. Man nennt das Verkehrschaos. Die Stadt, im Grunde eine permanente Großbaustelle, ein Attentat auf die Sinne. Und schließlich, abends im &quot;Lulu Pub&quot;: knallharte Kampfbeschallung. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Noch einmal ein Blick in die Runde. Doch: Zufriedene, entspannte Gesichter. Kein Wort. Mir kommt eine Idee, das kann mitunter passieren. Also: Wir können uns hier nicht unterhalten, stimmt´s? Deshalb müssen wir das auch nicht. Keiner wird’s keinem krumm nehmen, wenn er sich nicht nach dem Wohlbefinden der weiteren Verwandtschaft ganz allgemein erkundigt. Keiner wird am Ende beleidigt sein, wenn er nicht mit ausufernden Argumenten für diesen oder jenen Standpunkt, zum einen dann zum anderen Thema, zerstreut wird. Wir können nicht, ergo: wir müssen nicht reden. Und wisst ihr was? Das ist geil! Geil, geil, geilogeil! Endlich Ruhe! Welch Wohltat! Reine Luft im Gehirn! Sonst nix, aber sowas von nix! Welch fliederfarbenes Seelenflattern! Alles um uns herum brüllt! Und die ewige Kommunikationsmaschine: schweigt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und dann diese pseudowissenschaftliche Analyse hinterherschieben: Möglicherweise gibt es eine Dichte von Frequenzen, ein undurchdringliches Konglomerat an Geräuschen, über- und durcheinander gelagerten Tönen, an dem die menschlichen Sinne schlicht abprallen. Für das Gehirn nicht mehr zu entwursteln und zu Sinn zu verarbeiten. Sensorisch zu nichts zu gebrauchen, totale Überforderung. Bäh. Nichts geht mehr. Es macht sich daher breit: Totale innere Stille. Innerer Frieden. Zusammensitzen und endlich allein sein. Oder anders: Fast schon Buddhismus, eigentlich. Fett OM, könnte man sagen. Würde man aber eh nicht hören. Denn es rockt. Zumindest dröhnt es. Ok?</description>
    <dc:creator>lekke</dc:creator>
    <dc:subject>Fieldwork</dc:subject>
    <dc:rights>Copyright &#169; 2013 lekke</dc:rights>
    <dc:date>2013-01-11T18:29:00Z</dc:date>
  </item>
  <item rdf:about="http://lekke.twoday.net/stories/219051018/">
    <title>Beim durchstöbern des Materials I</title>
    <link>http://lekke.twoday.net/stories/219051018/</link>
    <description>&lt;img width=&quot;400&quot; alt=&quot;Karume Markt in Ilala, Daressalam. Foto (c) 2012 Link Reuben&quot; title=&quot;Karume Markt in Ilala, Daressalam. Foto (c) 2012 Link Reuben&quot; src=&quot;https://static.twoday.net/lekke/images/karume1.jpg&quot; height=&quot;386&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;I&gt;Foto Link Reuben (c) 2012 &lt;/i&gt;</description>
    <dc:creator>lekke</dc:creator>
    <dc:subject>Fieldwork</dc:subject>
    <dc:rights>Copyright &#169; 2012 lekke</dc:rights>
    <dc:date>2012-12-07T20:00:00Z</dc:date>
  </item>
  <item rdf:about="http://lekke.twoday.net/stories/219022665/">
    <title>Dar goes Zürich</title>
    <link>http://lekke.twoday.net/stories/219022665/</link>
    <description>&lt;img width=&quot;425&quot; alt=&quot;Ethnologisches-Caf-Zuerich1&quot; title=&quot;&quot; src=&quot;https://static.twoday.net/lekke/images/Ethnologisches-Caf-Zuerich1.jpg&quot; height=&quot;606&quot; /&gt;</description>
    <dc:creator>lekke</dc:creator>
    
    <dc:rights>Copyright &#169; 2012 lekke</dc:rights>
    <dc:date>2012-11-20T16:12:00Z</dc:date>
  </item>
  <item rdf:about="http://lekke.twoday.net/stories/219020647/#219021654">
    <title>vielen dank</title>
    <link>http://lekke.twoday.net/stories/219020647/#219021654</link>
    <description>für die kritik. das ist eine mögliche lesart des textes, die ich auch nicht unterbinden will. nur eine sache möchte ich loswerden: wenn ich hier conrad zitiere, dann denke ich, dass ich mit dem titel &quot;wenn im herz die finsternis&quot; klargemacht habe, dass die &quot;dunkelheit&quot; auf der seite des beschreibenden liegt, nicht auf der seite des beschriebenen.</description>
    <dc:creator>lekke</dc:creator>
    
    <dc:rights>Copyright &#169; 2012 lekke</dc:rights>
    <dc:date>2012-11-19T08:42:51Z</dc:date>
  </item>
  <item rdf:about="http://lekke.twoday.net/stories/219020647/#219020956">
    <title>Natürlich basiert so ein Blog auf der subjektiven Ausgangsposition des Verfassers,...</title>
    <link>http://lekke.twoday.net/stories/219020647/#219020956</link>
    <description>Natürlich basiert so ein Blog auf der subjektiven Ausgangsposition des Verfassers, und das ist ja auch legitim. Problematisch wird diese Subjektivität respektive Einseitigkeit in dem Moment, in dem sie hegemoniale Praxis ist. Und genau das ist ja die Gefahr.&lt;br /&gt;
Dass Deine eigene Anschauung sich dabei im Kontext männlich-weisser westlicher Wissenschaftler-Diskursdominanz bewegt ist die eine Sache - dass Du Dich im Sinne der Selbstreflexivität fragen solltest, wie sich Deine Subjektivität auf deinen analytischen Blick auswirkt eine Andere.&lt;br /&gt;
Subsumiert jedoch mit Deiner hier zur Schau getragenen Haltung der &quot;Erschöpfung&quot; ob all der &quot;Gräulichkeiten&quot; - mich erinnert das an die tragische Figur des sog. Entwicklungshelfers - kommt mir beim Lesen Deines Textes der fade Beigeschmack einer single-story auf, die gegebene Ungleichverhältnisse eher reproduziert als sie zu hinterfragen.  &lt;br /&gt;
Als berichtende Person habe ich im Rahmen meiner Subjektivität dennoch immer auch Wahlmöglichkeiten. Du hast Dich entschieden, das ist in Ordnung - ich wollte Dich nur darauf hinweisen. &lt;br /&gt;
Aber dass Du Dich dabei auf den sattsam bekannten Rassisten und Eurozentristen Conrad beziehst, macht die Sache nunmal nicht besser.</description>
    <dc:creator>marianengraben</dc:creator>
    
    <dc:rights>Copyright &#169; 2012 marianengraben</dc:rights>
    <dc:date>2012-11-18T21:55:05Z</dc:date>
  </item>
  <item rdf:about="http://lekke.twoday.net/stories/219020647/#219020925">
    <title>tut mir leid</title>
    <link>http://lekke.twoday.net/stories/219020647/#219020925</link>
    <description>das kann ich nicht bedienen. ich propagiere hier keine &quot;ideas worth spreading&quot;, sondern stelle in unterschiedlichen texten meine sehr persönlichen, einseitigen, subjektiven und emotionalen geschichten dar. nicht mehr und nicht weniger. wenn es dir spass macht zu lesen, freue ich mich. wenn es dich stört was ich schreibe tut es mir leid. aber ausgewogene und &quot;objektive&quot; berichterstattung habe ich nie versprochen.</description>
    <dc:creator>lekke</dc:creator>
    
    <dc:rights>Copyright &#169; 2012 lekke</dc:rights>
    <dc:date>2012-11-18T20:53:03Z</dc:date>
  </item>
  <item rdf:about="http://lekke.twoday.net/stories/219020647/#219020668">
    <title>ich les deinen blog ja ganz gerne</title>
    <link>http://lekke.twoday.net/stories/219020647/#219020668</link>
    <description>aber ich finde, dass dus in letzter zeit ziemlich übertreibst mit deiner negativ-darstellung der stadt und des lebens hier. ich glaube dass das wahrscheinlich zu nem großteil mehr mit dir und deiner eigenen einstellung als mit der tatsächlichen situation von dsm zu tun hat. ich weiss nicht warum es für dich hier immer schlimmer wird, aber dar hat definitiv auch seine schönen seiten, und gerade in hinblick auf the danger of a single story würde ich mir eine weniger einseitige darstellung von dir wünschen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;a href=&quot;http://www.ted.com/talks/chimamanda_adichie_the_danger_of_a_single_story.html&quot;&gt;http://www.ted.com/talks/chimamanda_adichie_the_danger_of_a_single_story.html&lt;/a&gt;</description>
    <dc:creator>marianengraben</dc:creator>
    
    <dc:rights>Copyright &#169; 2012 marianengraben</dc:rights>
    <dc:date>2012-11-18T13:47:16Z</dc:date>
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  <item rdf:about="http://lekke.twoday.net/stories/219020647/">
    <title>Wenn im Herz die Finsternis.</title>
    <link>http://lekke.twoday.net/stories/219020647/</link>
    <description>Nachdem gegen 3.30 morgens die drei Hunde im Hof ihr grauenhaftes Geheul endlich eingestellt hatten, krähten gegen 4.30 die ersten Hähne. Um sechs Uhr, kurz vor Sonnenaufgang, entließ das Mädchen aus dem Haus nebenan die Hühner in den Hof, wo sie alsbald ihr übliches Gescharre und Gezetere aufnahmen. Ich blieb einen Moment in meinem klammgeschwitzen Bettlaken liegen, dann holte ich meine müden Knochen unter dem Moskitonetz hervor. Wasser zum Duschen gab es mal wieder nicht, so dass ich nur ein wenig aus dem Eimer über meinen Kopf schöpfte, eine Wäsche „passport size“, wie man hier sagte. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
K. holte mich, wie jeden Morgen, mit dem Moped zuhause ab, und setzte mich nach zehn Minuten Fahrt über die steinige Dorfstraße vorne, dort wo der Bus hält, ab. Tausend Schilling bekam er dafür: Alles klar? Alles super. Also dann, bis später - ok, bis später. Eingequetscht im nächsten Minibus machte ich es bis zur Fähre in Kigamboni, wo eine lange Autoschlange auf Überfahrt wartete, und wir Fußgänger uns unter das Wellblechdach drängten, um der morgendlichen Sonne zu entkommen. Für 200 Schillinge kaufte ich ein Papierticket, dass mir nur drei Meter hinter der Verkaufsbude wieder abgenommen wurde. Die schlurfenden Schritte und bunten Tücher der Frauen oder die vom Leben gezeichneten Gesichter der Männer waren für mich längst nicht mehr interessant, so dass ich, statt Leute zu gucken, lieber eine Runde Sudoku (Level 61) auf meinem Mobiltelefon spielte. Dann das metallische Klackern des sich öffnendes Tores. Wie eine Herde Vieh drängten wir uns zum Ausgang, zum Nadelöhr. Auf der anderen Seite die abschüssige Betonrampe zur Fähre „Kigamboni“. Drängeln, Enge, Hupen, Rutschen, rauf auf die Rampe, zusammenpferchen, warten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;img src=&quot;https://static.twoday.net/lekke/images/das-grauen.jpg&quot; width=&quot;400&quot; alt=&quot;Nicht immer so sonnig.&quot; align=&quot;right&quot; title=&quot;Nicht immer so sonnig.&quot; class=&quot;right&quot; height=&quot;267&quot; /&gt;Ich mochte diese morgendliche Fahrt über den Hafen. An diesem Tag lag zur einen Seite ein riesiges Schiff namens „Walenius Wilhemsen“, wie ein umgestürztes Hochhaus im schwarzen Wasser. Ich drehte den Kopf und blickte auf die andere Seite in die sich zum indischen Ozean hin öffnende Bucht: nächster Halt Zanzibar. Aufs Wasser starren und an den Münchner Marienplatz denken. Oder an die Fähre zwischen Meersburg und Konstanz. Endweitweg. Eine andere Welt. Am anderen Ufer dagegen: erneutes Gedränge, und wie mir das zum Hals heraushing. Hupende Autos scheuchten uns von der Rampe, über den Beton, durchs Tor hoch zur Straße. Eine Reihe schrottiger Minibusse stand im Stau, dahinter eine weitere Reihe, alle mit laufenden Motoren, eine Bleiwolke stand in der Luft, die Autos und Mopeds von der Fähre trafen auf den Stau, drängten sich irgendwie dazwischen, hupten, die Fußgänger, Radfahrer schoben sich mit rein, die Busleute schrien ihre Fahrtziele in das Chaos, schlugen dabei mit der flachen Hand auf ihre Blechkanister: Guten Morgen Daressalam. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich entschloss zu Fuß weiter zu gehen. Das kurze Stück bis zur Post. Neben der Fahrbahn im Strom der Leute, rechts und links nur Staub, Staub, Staub. Die Sonne verbrannte die  Haut auf meinem Nacken, der Staub und die Abgase brannten in den Augen und nahmen mir die Luft. An alten Kolonialbauten vorbei, hier waren Ministerien und Ämter untergebracht. Beleibte Herren mit schwarzen Anzügen und einer kleinen Tansanischen Flagge am Sakko kamen mir entgegen. Innerlich verfluchte ich sie, in meinen Augen waren sie es, die für die Ungerechtigkeit, die Hackordnung, das Recht des Stärkeren in diesem Land verantwortlich waren. Geschmiert und gekauft, fettgefressen auf Kosten der anderen, die im Dreck und im Dunkeln saßen und sich von Tag zu Tag irgendwie über Wasser hielten. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich bog rechts in die Pamba Street ein. Zerfledderte Bücher, die auf dem Gehsteig verkauft wurden. Wachmänner saßen mit vorkolonialen Schrotflinten auf dreibeinigen Stühlen an den Straßenecken. Ich überquerte den Kreisverkehr beim Askari-Monument und fragte mich, was mich an meiner Straßenecke an diesem Tag erwarten würde. Sicher nichts, was ich nicht schon hundertmal erlebt und notiert hätte. Der Alltag, die Routinen, das Immergleiche, die Geschichten, die Posen, die Sprüche, das Stöhnen, das Jammern, das Grauen. Das Grauen?</description>
    <dc:creator>lekke</dc:creator>
    <dc:subject>Fieldwork</dc:subject>
    <dc:rights>Copyright &#169; 2012 lekke</dc:rights>
    <dc:date>2012-11-18T13:14:00Z</dc:date>
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  <item rdf:about="http://lekke.twoday.net/stories/142785883/">
    <title>Who the f*ck is Papa Schlumpf?</title>
    <link>http://lekke.twoday.net/stories/142785883/</link>
    <description>In meinem Traum bin ich in einer Kunstgalerie und stehe vor einem Gemälde von Salvador Dalì auf dem irgendetwas zerfließt. Dankenswerter Weise erhalte ich eine fachkundige Erklärung zu Farbwahl, Perspektive und kunstgeschichtlicher Bedeutung eben dieses Gemäldes, und zwar von niemand geringerem als Papa Schlumpf, der sich klugscheissernd zwischen mich und das Gemälde geschoben hat. Ich erwache und hänge kurz dem Gedanken über meine derzeitige psychische Verfassung nach, der aber schnell von einem mittelschweren Kulturschock beiseite geschoben wird. Über mir erblicke ich Wellblech, und über die Lehmwand meiner Kammer hinweg höre ich die Stimmen von gefühlten 34 Kindern und einigen Erwachsenen, die sich, in ihrer lokalen Stammessprache Kisambaa schnatternd, über ihren morgendlichen Tee hermachen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;img src=&quot;https://static.twoday.net/lekke/images/bombo4.jpg&quot; width=&quot;400&quot; alt=&quot;Erwachen unter Wellblech: Who the f***ck is Papa Schlumpf?&quot; align=&quot;left&quot; title=&quot;Erwachen unter Wellblech: Who the f***ck is Papa Schlumpf?&quot; class=&quot;left&quot; height=&quot;267&quot; /&gt;Durch das kleine Dorf Bombo Majimoto in den nördlichen Usambara-Bergen fließt so gut wie kein Geld. Die Menschen leben von Mais- und Reisanbau, halten sich einige Ziegen, Schafe und Hühner.  Sie bauen keine cash crops an, also Agrarprodukte, die sich gewinnbringend verkaufen ließen. „Wenn einer bei uns krank wird, bitten wir einen Verwandten in der Stadt uns Geld zu schicken,“ sagt mein Gastgeber. Dabei geht es dann um Beträge von zwei oder drei Euro, die über Genesung oder Leid entscheiden. Gemeinsam besuchen wir seinen Onkel, der in einer kleinen Hütte auf einem der umliegenden Hügel lebt. Er wird langsam blind. Seine Kinder sind bis auf eines gestorben, und sein verbleibender Sohn, selber weit über vierzig Jahre, schafft es gerade so, ihm in harten Zeiten einen Teller Reis vorbeizubringen. Während wir vor seinem Haus sitzen zähle ich die Ziegen, die an den Pfosten des Vordaches angebunden stehen. Ich komme auf sechs ausgewachsene Tiere und zwei Zicklein. Weiter besitzt dieser Mann nichts. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;img src=&quot;https://static.twoday.net/lekke/images/bombo2.jpg&quot; width=&quot;400&quot; alt=&quot;Ein Zicklien muss tun, was ein Zicklein eben tun muss&quot; align=&quot;left&quot; title=&quot;Ein Zicklien muss tun, was ein Zicklein eben tun muss&quot; class=&quot;left&quot; height=&quot;267&quot; /&gt;Am späten Nachmittag kommen wir zurück ins Dorf. Die Hütten sind genauso rotbraun wie der Boden, wen wundert´s, sind sie doch aus ebendiesem Lehm gebaut. Vor einigen dieser Hütten sitzen jetzt Frauen und Kinder, die die Körner von Maiskolben pulen und auf einen Haufen werfen. Später wird das zu Mehl gestampft und anschließend zu Ugali, dem typisch ostafrikanischen Bauchfüller verkocht. Dazu gibt es Bohnen und ein bisschen Blattgemüse. Den Mais bauen sie selber an, frühmorgens mit der Hacke auf dem Feld. Man verdient sich im Wortsinne seine Mahlzeit durch harte Arbeit. Die Leute essen das, was sie angebaut haben. Punkt. Ganz sicher könnte ich hier keine Woche überleben. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am nächsten Morgen treten sämtliche Kinder des Haushalts an (ich zähle 9) um ihre Dosis Wurmkur einzunehmen. Ich habe Medikamente aus der Stadt mitgebracht. Anschließend spielen wir ein bisschen auf-der-Matte-herumsitzen-und-den-Weißen-begaffen, ein besonders schönes Spiel.  Ich denke, in Deutschland werde ich aufgrund mangelnder Aufmerksamkeit bald an Persönlichkeitsschwund erkranken. Der älteste Sohn trägt ein T-Shirt auf dessen Vorderseite „Imam Hussein (A.S.) hat den Islam gerettet“ steht, auf der Rückseite „Warum hat man Imam Hussein (A.S.) umgebracht?“. Mir entgeht die Bedeutung dieser Botschaft, aber nicht die Tatsache, dass, nach Schelte der Mutter sich zu waschen und die Kleider zu wechseln, der jüngere Bruder mit eben jenem T-Shirt herumläuft. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;img src=&quot;https://static.twoday.net/lekke/images/bombo1.jpg&quot; width=&quot;400&quot; alt=&quot;Die Dorfjugend rockt - und ich rocke mit&quot; align=&quot;left&quot; title=&quot;Die Dorfjugend rockt - und ich rocke mit&quot; class=&quot;left&quot; height=&quot;271&quot; /&gt;Als ich nach einigen Tagen aufbreche, verabschiede ich mich nicht, so, wie man mir geraten hatte. Es gäbe zu viel Glauben an Hexerei und so, da sei es besser, die Leute wüssten nicht, wann ich mich wo auf den Weg mache. Also mache ich kein Trara aus meinem Aufbruch, sondern sage schlicht, ich fahre mal eben in die nächste Ortschaft. Bis später also Leute. Ein Bruder oder Schwager fährt mich mit dem Moped stundenlang durch die Bergdörfer bis in die nächste Stadt. Am Abend des nächsten Tages komme ich in Daressalam an. Oh stinkender Großstadtmoloch, du hast mich wieder.</description>
    <dc:creator>lekke</dc:creator>
    <dc:subject>Fieldwork</dc:subject>
    <dc:rights>Copyright &#169; 2012 lekke</dc:rights>
    <dc:date>2012-09-14T16:13:00Z</dc:date>
  </item>
  <item rdf:about="http://lekke.twoday.net/stories/138662126/">
    <title>Eine Brücke in die Mega-Moderne?</title>
    <link>http://lekke.twoday.net/stories/138662126/</link>
    <description>Mitten durch das Stadtzentrum führt die Uhuru Street, Straße der Freiheit. Sie verbindet den Central Business District und den Hafen mit dem überlaufenen Marktviertel Kariakoo. Über diese Schlagader des Stadtverkehrs quälen sich tagtäglich tausende von LKWs, Bussen und Autos. Dabei humpeln sie durch Schlaglöcher so groß wie IKEA-Auslegeteppiche und über Streckenabschnitte, auf denen der Asphalt völlig aufgegeben und sich im wahren Sinne des Wortes verkrümelt und aus dem Staub gemacht hat. Offenbar fehlen der Stadt die paar Tausend Dollar um die Strecke in einen Zustand zu versetzen, der ihrer zentralen Bedeutung für den Stadtverkehr entsprechen würde. Nun, nicht weiter verwunderlich, schließlich sind wir in Daressalam, wo zwar jeder noch so unwichtige Ministerialbeamte einen brandneuen Toyota Landrover inklusive Fahrer spendiert bekommt, die Mehrzahl der Bevölkerung dagegen aber weder Strom noch fließend Wasser hat. Wieso also die Straßen asphaltieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;a href=&quot;http://www.youtube.com/watch?feature=player_detailpage&amp;amp;v=hgjHsfVyJXM&quot;&gt;&lt;img width=&quot;400&quot; alt=&quot;Aufs Bild klicken um zum Video zu gelangen!&quot; title=&quot;Aufs Bild klicken um zum Video zu gelangen!&quot; src=&quot;https://static.twoday.net/lekke/images/kigamboni-2.jpg&quot; height=&quot;223&quot; /&gt;&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;
&lt;i&gt;Ein Rausch des &quot;High Modernism&quot;: Die &quot;Neue Stadt&quot;&lt;br /&gt;
(Klick auf´s Bild um zum Video zu gelangen)&lt;/i&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gleichzeitig, und das erstaunt zutiefst, wird hier der große, der ganz große, schier megalomane Traum geträumt: Von der hypermodernen „Neuen Stadt“. Mit Wolkenkratzern, Internationalen Firmenzentralen, Villenvierteln und Eliteuniversitäten, Hochgeschwindigkeits-Zügen und Öko-Parks. Nicht kleckern, klotzen ist die Devise. Das ganze nicht entlang der Uhuru Street, klar, sondern drüben, auf der anderen Seite der Hafenbucht, in Kigamboni. Um dorthin zu gelangen, muss man derzeit noch eine der beiden Fähren besteigen, die vom Stadtzentrum aus übersetzen. Das raubt Zeit und nervt manchmal. Und das ist vermutlich der Grund dafür, warum die andere Seite nur dünn besiedelt und kaum infrastrukturell erschlossen ist. Nach der Überfahrt erwartet einen ein dicht gedrängter Markt am Fährhafen, dann ein mittelgroßer Busbahnhof, von dem aus Minibusse über die zwei langen Landstraßen ins Hinterland fahren, an Palmen und Lehmhäusern vorbei, den Ozean immer im Blick, Kühe und Ziegen im Gebüsch, ländliches Tansania, Ruhe. Das soll bald anders werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Plan für „Mji Mpya“, die „Neue Stadt“, steht. Die Regierung ist fest entschlossen das „neue“ Daressalam zu kreieren, eine schicke und trendy Metropole, weitläufig angelegt, infrastrukturell von vorne bis hinten durchgeplant. Und zwar genau hier, wo ich im Moment sitze und mit den Fingern über die Tastatur klicker und klacker, in Kigamboni. Zunächst sollen wir angebunden werden an den Central Business District, durch drei Brücken und einen Tunnel unter dem Hafen durch. Überquert man die Hauptbrücke, soll man von einer Reihe von Wolkenkratzern entlang einer großzügig angelegten Allee des Atems beraubt werden. Dahinter luxuriöse Wohnanlagen, eine komplett verspiegelte Super-Universität. Ein Geschäftsviertel mit glänzenden Wolkenkratzern soll die Wirtschaft im ganzen Land ankurbeln. Ein Tourismus-Areal lockt mit teuren Hotels und mondänen Yachthäfen. Ein rundum beeindruckendes und ambitioniertes Großprojekt soll das also werden.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;img width=&quot;400&quot; alt=&quot;Kigamboni, vorher...&quot; title=&quot;Kigamboni, vorher...&quot; src=&quot;https://static.twoday.net/lekke/images/kigamboni-3.jpg&quot; height=&quot;267&quot; /&gt; &lt;br /&gt;
&lt;i&gt;Palmen, Lehmhäuser, und der Ozean immer im Blick: Kigamboni heute&lt;/i&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;
Auf der Straße spricht man mit Stolz von der neuen Stadt dort drüben. Ab 2014 soll mit dem Bau der Brücken begonnen werden. Über sie soll man hinüber gelangen in die absolute Supermoderne, in das Traumland, das moderne Tansania, in dem man so lebt, wie man es aus dem Fernseher und seinen Filmen kennt, so wie in Amerika oder Europa. Bezahlen sollen das angeblich die USA. George W. Busch hat, so die Flüsterpost der Straße, große Landstriche an der Küste rund um Dar aufgekauft. Ich frage mich welches Interesse die Vereinigten Staaten oder Bush daran haben sollte, den Tansaniern eine neue Superstadt zu spendieren? Ach so, es wurden ja Öl und Gas gefunden vor der Küste Tansanias. Vielleicht ist ja das der Grund für die innige Freundschaft zwischen George W. und dem Tansanischen Präsidenten, und für den Landbesitz des zu warm gebadeten Amerikaners hier in Ostafrika.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ansehen kann ich mir den Traum jetzt als Image Video. Während ich das tue denke ich an die 3,5 Millionen Menschen in Dar, von denen der größte Teil von der Hand in den Mund lebt, ohne solide Ausbildung, feste Beschäftigung oder Krankenversicherung, auf sich selbst gestellt und von einer Regierung verlassen, der es in erster Linie darum geht, dass die Staatsdiener tolle Autos fahren und ihre Verwandten alle Jobs im Ministerium bekommen. So bekommt ein Parlamentarier pro Parlamentssitzung umgerechnet 100 Euro &lt;a href=&quot;http://www.thecitizen.co.tz/news/4-national-news/19232-pindas-defence-of-bunge-allowances.html&quot;&gt;Zuschlag&lt;/a&gt; zu seinem Gehalt, weil er so einen schweren Job mit so viel Verantwortung hat. Die 390 Millionen USD, die Tansania im Fiskaljahr 2008/2009 für solche „sitting allowances“ ausgegeben hat, entsprechen dem Einkommen von &lt;a href=&quot;http://www.scribd.com/doc/57126320/Reforming-Allowances-done-by-policy-forum&quot;&gt;109.000 Lehrer&lt;/a&gt;, ein Jahr lang. Ein Lehrer verdient großzügige 75 Euro im Monat. Das ist selbst hier zu wenig für ein Leben, das ein wenig Planung und Hoffnung für die Zukunft zulässt. Mehr kann oder will die Regierung also für die Kinder und deren Zukunft nicht ausgeben. Wo bitte soll dann das Geld herkommen, für die Eliteuni und ihre Elite-Wissenschaftler? Für die Wolkenkratzer und die Stadtparks? Und wer soll in den Luxus-Villen wohnen, der Lehrer und seine Familie? Oder einer meiner Schuhverkäufer-Freunde? Und auch frage ich mich, was eigentlich mit den Leuten passieren soll, die jetzt schon hier leben, sicher einige Tausend, die hier ihre Häuser gebaut und Felder bestellt haben? Sicher werden sie großzügig entschädigt, da bin ich mir ganz sicher. Vielleicht schenkt Bush ja jedem Vertriebenen eine Baseball-Kappe mit Texas-Logo.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;img width=&quot;400&quot; alt=&quot;...und nachher. &quot; title=&quot;...und nachher. &quot; src=&quot;https://static.twoday.net/lekke/images/kigamboni-1.jpg&quot; height=&quot;223&quot; /&gt; &lt;br /&gt;
&lt;i&gt;Überzogener Glaube an die Moderne? Kigamboni in der Zukunft&lt;/i&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;
James Scott bezeichnete in seinem Buch „Seeing like a State“ eine modernistische Ideologie, wie sie hier zugrunde liegt, als „high modernism“: Aus dem Selbstvertrauen des wissenschaftlichen und technischen Fortschritts, der Unterwerfung der Natur, aus der Idee, die soziale Ordnung könne rational durchstrukturiert werden, erwächst der überzogene Glaube an die Überlegenheit der rationalen Moderne. Solche Pläne, von Staaten „top down“ ihren Gesellschaften aufgezwungen, müssten aber scheitern, wenn sie die tatsächlichen Merkmale der funktionierenden sozialen Ordnung missachteten. Wenn die Führungseliten also nicht bedenken, wie ihre Bevölkerung tatsächlich lebt, in welchem Zustand die Gesellschaft ist, an welchen Ecken es fehlt, was alles nicht funktioniert. Als Beispiele nimmt Scott die Kollektivierung in Russland, die Kulturrevolution in China, die Zwangsumsiedlung im Tansania der sozialistischen Nyerere-Ära. Diese super-formalen Pläne standen in krassem Widerspruch zu den tatsächlichen, informellen, also nur wenig strukturierten, geplanten und staatlich kontrollierbaren Gegebenheiten, und mussten deshalb scheitern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vielleicht geht es aber auch um etwas anderes. Lauschen wir der Stimme aus dem Image-Video: „We will create a harmonious skyline, containing high rise, medium storey, and low rise buildings, presenting an advanced city image.“ (6:58) Ein „Image“ soll also kreiert werden, von einer „fortschrittlichen“ Stadt. Sieht schick aus euer Filmchen. Wie auch immer. Ich wünsche der Regierung von Herzen alles Gute bei ihren Plänen, und wünsche meinen Freunden und auch allen Tansaniern, die ich (noch) nicht kenne, ebenfalls ehrlich und von Herzen, ihre „neue“, ihre gesunde, aufgeräumte, funktionierende Stadt, mit allem drum und dran. Zum Beispiel mit funktionierenden Schulen, regelmäßig bezahlten und respektierten Lehrern; Krankenhäusern in denen außer Malaria auch andere Krankheiten diagnostiziert und behandelt werden können; geordnete Wohnverhältnisse, mit fließend Wasser in den Häusern, Stromanschluss für jedes Haus, durch den dann auch tatsächlich Strom fließt; Straßen, die nicht von einer stinkenden Blechlawine verstopft sind, die, oh Luxus!, von richtigen Fußgängerwegen gesäumt sind, auf denen man sogar eventuell mal die Kinder zu einem Spaziergang mitnehmen könnte. Träumt euren Traum. Aber im echten Leben: Vielleicht fangt ihr besser mit einem kleinen Schritt an, zum Beispiel erstmal die Uhuru Street zu asphaltieren. Oder habt ihr die „alte Stadt“ und ihre Bewohner schon aufgegeben?</description>
    <dc:creator>lekke</dc:creator>
    <dc:subject>Fieldwork</dc:subject>
    <dc:rights>Copyright &#169; 2012 lekke</dc:rights>
    <dc:date>2012-09-02T13:28:00Z</dc:date>
  </item>
  <item rdf:about="http://lekke.twoday.net/stories/129659706/">
    <title>Zeit zu gehen</title>
    <link>http://lekke.twoday.net/stories/129659706/</link>
    <description>Die Unterhaltung wird kurz unterbrochen als M. die Schuhbürste weiterreicht an O., der fegt damit behände über das schwarze Obermaterial, sei es nun echtes Leder oder echtes Plastik, und bringt seinen Schuh so auf Hochglanz. Es geht weiter im Gespräch, eher ein Disput, ob  Kinder denn nun dem Mann zuzusprechen seien oder nicht, wenn der Mann noch nicht mit der Frau verheiratet ist. Das islamische Gesetz sagt nein, das staatliche Gesetz aber ja. Beispiele aus dem Herkunftsdorf werden herangeführt. A. kommt dazu und steigt lauthals mit ein, jeder hier im Hinterhof hat eine Meinung dazu, eine Erfahrung aus der eigenen Familie oder Vergangenheit. Ich dagegen habe nur meinen Notizblock und meine Neugier. A. übertönt die anderen und schüttelt sich dabei am ganzen Körper um seinen Argumenten den erwünschten Nachdruck zu verleihen. Er erinnert mich an ein Bäumchen in einem Sturm. Sein Zeigefinger schnellt nach vorne und sein Rücken beugt sich tief, dann springt er auf und reckt die Faust in die Höhe, dreht sich dabei energisch von einer Seite zur anderen, damit auch ja alle seine wunderschöne Meinung zu dem Thema erfahren. Ich muss lachen, ich mag ihn wirklich gerne, diesen Spinner. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine schwarze Tüte mit Schuhbürsten, kleinen Dosen Schuhcreme und einigen abgefransten Rasierpinseln zum Auftragen der Schuhcreme liegt auf dem Treppenabsatz. Wem genau sie und ihr Inhalt gehört kann ich nicht sagen. Immer wieder bedient sich jemand daraus. Ich sitze auf den unteren Stufen auf einem kleinen Holzschemel, wie so oft. Ein Beinchen des Schemels ist bereits abgebrochen, das war vor einigen Monaten noch nicht so. Ich stütze ihn also am amputierten Ende auf eine Stufe, und schwanke so, Notizblock auf den Knien balancierend, über meine Beobachtungen hin und her. J. stopft seine Schuhe mit „bonye“ aus, zusammengeknüllten Plastiktüten die er aus der Holzkiste entnimmt, auf der „mwilijo“ gekrakelt steht. Das ist der Name eines „ukoo“, einer matrilinearen Verwandtschaftsgruppe, man könnte auch sagen, einer Großfamilie. A. hat die Kiste damit verziert, es ist seine Herkunftsgruppe im Dorf Miungo, in dem er geboren wurde. Auf einer anderen Kiste steht „dume la mbwa“, ein männlicher Hund, die Bedeutung der Aufschrift entgeht mir aber, man muss ja nicht alles verstehen. Die Kisten stammen ursprünglich aus der Tansanischen Nationalbank,  wenn sie ausgemustert werden sammeln sie ein paar Schlauberger ein und verkaufen sie für umgerechnet einen Euro auf der Straße. Ob da früher einmal Millionen und Abermillionen von Tansanischen Schillingen drin gelagert wurden? Weiß ich auch nicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;img src=&quot;https://static.twoday.net/lekke/images/Zeit-zu-gehen-1.jpg&quot; width=&quot;267&quot; alt=&quot;Ob da mal Millionen von Tansanischen Schillingen drinnen waren?&quot; align=&quot;left&quot; title=&quot;Ob da mal Millionen von Tansanischen Schillingen drinnen waren?&quot; class=&quot;left&quot; height=&quot;400&quot; /&gt;Die ersten verlassen die Diskussionsrunde, stecken die gemeinsam benutzten Werkzeuge zurück in die Tüte und stellen ihre Schuhe auf der Straße auf. Ich gehe mit vor und setze mich mit A. auf einen der viereckigen Betonkübeln am Straßenrand, in denen wohl mal Blumen wachsen sollten, die man aber stattdessen mit ihrer undefinierten staubigen Füllung und ohne Blumen dem ergrauenden Schicksal der Stadt überlassen hat. Es ist bereits halb zwölf vormittags, und A. eröffnet mir, dass es sich nicht mehr lohnen würde für ihn, jetzt in Rotation zu gehen. Er geht wie jeden Tag kurz vor eins in die Moschee, gemeinsam mit H. und M., zum Mittagsgebet. Später dann wieder um vier Uhr nachmittags. Diese Zeiten geben vor, wann er Schuhe verkaufen kann und wann er sich vor seinem Gott verneigt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach dem Gebet gehen wir in die Straßen, gleich zu Beginn kommt uns eine Frau entgegen. Ihr Blick haftet einen Bruchteil einer Sekunde zu lange an einem der Schuhe, die an A.´s Arm baumeln. Blitzartig reißt A. seine Schritte herum und stürzt in der entgegengesetzten Richtung der Frau hinterher, holt sie ein und beginnt auf sie einzureden. Er klinkt sich dabei in ihr Schritttempo ein und beobachtet ihre Augen. Sie bleiben stehen und die Frau fasst den Schuh an, fragt nach dem Preis und bekommt erwidert, dass sie doch erstmal sehen solle, wie gut der Schuh an ihrem Fuß aussieht. A. verkauft ihn und macht 1 Euro Gewinn, „zum Essen“, wie er sagt. Er ist zufrieden. Es ist ein Montag, der schwerste Tag der Woche für den Straßenhandel, da die Leute nach dem Wochenende nicht gewillt sind Geld auszugeben, wie man mir erklärt hat. So ab Donnerstag wird es besser. Noch dazu ist es die letzte Woche vor Iddi Mossi, dem Ende des Fastenmonats Ramadan, eine harte Zeit für die Straßenhändler. „Nyama ngumu, haitafuniki“ sagen sie, zähes Fleisch, das sich nicht zerkauen lässt. Viele der Straßenhändler selbst fasten auch, nicht ein Schluck Wasser geht über ihre Lippen von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang. Iddi Mossi wird heiß ersehnt, aber Geld für Reis und ein bisschen Fleisch für den traditionellen Pilau muss erst einmal verdient werden. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Er fragt mich, ob ich eigentlich mit nach &lt;a href=&quot;http://lekke.twoday.net/stories/75225393/&quot;&gt;Miungo&lt;/a&gt; komme, wenn die Erntezeit für Cashew-Nüsse im September beginnt. Viele der Schuhverkäufer an unserem Maskani werden dann in ihre Heimatdörfer im Süden des Landes fahren, um den Eltern bei der Ernte zu helfen und um Waren aus Daressalam im Dorf zu verkaufen. Die Erntezeit ist die einzige Zeit, wenn die Menschen im Dorf Geld in der Tasche haben, eine gute Gelegenheit also ihnen gebrauchte Kleider aus der Stadt zu bringen. Der Maskani wird dann etwas weniger bevölkert sein, so wie ich das letztes Jahr erlebt habe. Einige bleiben zwei oder drei Wochen, manche einige Monate. Anschließend nehmen sie wieder ihr Leben in der Stadt auf. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;img src=&quot;https://static.twoday.net/lekke/images/Zeit-zu-gehen-2.jpg&quot; width=&quot;400&quot; alt=&quot;Endsungeil: in Tansanische Stadtbusse einsteigen. Foto (c) Link Reuben 2011&quot; align=&quot;right&quot; title=&quot;Endsungeil: in Tansanische Stadtbusse einsteigen. Foto (c) Link Reuben 2011&quot; class=&quot;right&quot; height=&quot;300&quot; /&gt;Nach der zweiten Gebetszeit des Nachmittags gehen wir zu „Mariedo“, einer Straßenecke an der zentralen Bushaltestelle „Posta“, wo sich einige der Jungs jeden Nachmittag niederlassen um ihre Schuhe auszulegen. Hunderte von Menschen strömen nun vorbei, die ihre Büros verlassen haben und sich nun mit den elend überfüllten Dreckschleudern von Minibussen auf den Weg in ihre Wohnviertel außerhalb des Zentrums machen. Mittags können A. und seine Kollegen hier nicht „lauern“, da sie der private Wachmann des anschließenden Business-Komplexes dann grundsätzlich vertreibt. Nachtmittags ist er entspannter, vielleicht einfach auch nur zu faul um ständig mahnend auf und ab zu stolzieren, mit tiefschwarzer Uniform, Schulterklappen und Dienstmütze eine Karikatur seiner selbst. Wir alle sind platt von dem langen Fußweg durch die Stadt, sitzen wortlos auf dem staubig-warmen Asphalt und lehnen mit dem Rücken an die Wand eines 20-stöckigen Hochhauses. Ich recke den Kopf nach hinten und sehe an der gekachelten Wand entlang nach oben in den Himmel. Ein Flugzeug wird von einer strahlend weißen Wolke verschluckt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gegen halb sechs erhebt sich A., er will zurück zum Maskani um seine Schuhe wieder in der Holzkiste einzulagern, bis morgen wieder alles von vorne beginnt. Er will nicht zu spät kommen. Wenn um halb sieben der Muezzin zuhause in Mbagala ruft, will er gemeinsam mit seiner Familie auf einer Matte vor dem Haus sitzen, um mit dem heutigen Fasten zu brechen.</description>
    <dc:creator>lekke</dc:creator>
    <dc:subject>Fieldwork</dc:subject>
    <dc:rights>Copyright &#169; 2012 lekke</dc:rights>
    <dc:date>2012-08-18T10:14:00Z</dc:date>
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  <item rdf:about="http://lekke.twoday.net/stories/109332789/">
    <title>Viele verschiedene Wörter die alle irgendwie miteinander zusammenhängen</title>
    <link>http://lekke.twoday.net/stories/109332789/</link>
    <description>Ich tauche in unnachgiebige Schwüle wie in ein warmes Bad. 30 Grad drücken morgens um 7. Die Fenster in der Gangway vom Flieger zum winzigen Mwalimu Julius Nyerere Airport sind geöffnet und es weht ein warmer Wind durch die kantige Röhre. Der Mobilfunkanbieter Airtel hat das Innere des Gangs mit großen roten Werbeplakaten ausgekleidet. Ein junger Massai mit langen Rasta-Zöpfen und Mobiltelephon in der Hand grinst mich an. Das Brausen der Triebwerke des Fliegers weht mit dem Wind herein. Und dann ist da noch dieser Geruch, feucht und modrig, wie im Matratzenlager einer Berghütte. Aber dampfig, brenzlig, irgendwo wird etwas verbrannt. Irgendwo wird eigentlich immer irgend etwas verbrannt in Tansania. Dieser Geruch wird aber nicht zusammen mit dem Maschinenlärm herein geweht, sondern ist einfach da, er ist der stehende Grundton des Akkords. Als ob der Boden ihn ausstrahlen würde. Es ist genau dieser Geruch, der es einen nie vergessen lässt, wo man ist, auch wenn man die Augen schließt und auf dem MP3-Player seine Radiohead-Sammlung durchhört. Und mit dem schwül-modrig-brenzligen Geruch stellt sich wieder dieses bodenlose Gefühl der Einsamkeit ein. Bodenlos deshalb, weil der bedingungslose Eindruck der Fremde, der sich in diesem Geruch bündelt, eine emotionale Falltüre in mir aufstößt, durch die all meine Lebensgewissheiten mit einem Mal runter fallen und nur die Frage zurückbleibt, wie man eigentlich alleine funktionieren kann. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Flughafen liegt südlich der Stadt in einem hässlichen Industriegebiet, dass ich mit meinem Nachbarn und Taxifahrer Ben durchkreuze. Der Stau hat den Verkehr wie immer fest im Griff, so dass wir für die wenigen Kilometer bis zum Stadtzentrum eine geschlagene Stunde brauchen. Selbst die großen Ausfallstraßen sind in Daressalam in der Regel einspurig. Die Infrastruktur der Stadt war nie für die Dimensionen angelegt worden, die die Hafenmetropole heute einnimmt. Das muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen, nein, das ist zu abgedroschen. Das muss man sich mal in die gottverdammten Gehirnwindungen einschrauben, schon besser: In den vergangenen einhundert Jahren hat sich die Einwohnerzahl Daressalams in etwa vertausendfacht. Um 1905 lebten in dem kleinen Nest, hinter einer Hafenzeile von zweistöckigen Verwaltungsgebäuden der deutschen Kolonialisten, in verstreuten Hüttenansammlungen etwa 3500 Menschen. Heute wird die Einwohnerzahl auf 3,5 Millionen geschätzt, wobei eigentlich niemand genau weiß, wie viele Menschen es tatsächlich sind, geschweige denn, wo Daressalam denn nun anfängt, und wo es aufhört. An der Bucht liegt das dicht gedrängte Geschäftszentrum der Stadt. Zwischen vergilbten Betonklötzen aus den Sechzigerjahren penetrieren verspiegelte Hochhäuser die Skyline, dazwischen die ewigen Baukräne chinesischer Provenienz, und hohe, mit wehenden Plastikplanen verpackte Baugerüste, wie die flatternden Gespenster des Traums einer städtebaulichen Moderne. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;img src=&quot;https://static.twoday.net/lekke/images/Faehre.jpg&quot; width=&quot;400&quot; alt=&quot;So viele Leute und jeder anders, außer ich. Fähre nach Kigamboni. Foto (c) Link Reuben 2011&quot; align=&quot;right&quot; title=&quot;So viele Leute und jeder anders, außer ich. Fähre nach Kigamboni. Foto (c) Link Reuben 2011&quot; class=&quot;right&quot; height=&quot;300&quot; /&gt;Im Westen des Zentrums das Marktviertel Kariakoo, benannt nach den „Carrier-Corps“, den afrikanischen Trägern, die von den späteren britischen Kolonialherren hier im Schachbrettmuster angesiedelt wurden. Das drängelnde Treiben auf der Mtaa wa Kongo, die sich am einen Ende wie ein Trichter verjüngt, so dass die Passanten, ähnlich dem Vieh im Schlachthof, an der Engstelle gezwungenermaßen auf Tuchfühlung mit den allgegenwärtigen Taschendieben gehen müssen. Sehr viel eher „mein Afrika“ als Serengeti, Kilimandscharo und Trommeln am Lagerfeuer. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hinter Kariakoo, im Westen, Norden und Süden, die Wohnviertel der Millionen Stadtbewohner. Unverputzt grau, einstöckig, wellblechbedacht, staubstraßig, eng und laut. „Uswahilini“. „bei den Swahilis“ lebt die Mehrheit der Menschen in Verhältnissen, die man irreführenderweise bei uns gerne als „einfach“ bezeichnet. Ich melde hiermit Zweifel an der Einfachheit dieser Umstände an und bin stattdessen lieber erstaunt darüber, wie die Leute im Anzug und im Business-Kostüm herausgeputzt aus diesen Wohnvierteln heraus stolzieren und mit den runtergerockten und notorisch überfüllten Dreckschleudern von Minibussen ins Stadtzentrum fahren, um ihrer schlecht bezahlten Arbeit in irgendwelchen Büros nachzugehen. Die paar Touristen aus Europa, mit Cargo-Hose, Wasserflasche, Großwildjägerweste und Bergschuhen in den Straßen der Stadt nehmen sich daneben irgendwie ungehobelt aus. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;img src=&quot;https://static.twoday.net/lekke/images/Downtown.jpg&quot; width=&quot;400&quot; alt=&quot;Der alte Stromkasten checkt das CD-Angebot aus. Downtown Dar. Foto (c) Link Reuben 2011&quot; align=&quot;right&quot; title=&quot;Der alte Stromkasten checkt das CD-Angebot aus. Downtown Dar. Foto (c) Link Reuben 2011&quot; class=&quot;right&quot; height=&quot;267&quot; /&gt;Kurz bevor wir im Stadtzentrum an jener weltberühmten Straßenecke vorbeikommen, die regelmäßige Leser dieses Blogs nun selbst im Schlaf oder wahlweise mit verbundenen Augen, geknebelt und gefesselt im Kofferraum eines Autos eingesperrt, als Hauptschauplatz der hier angesammelten Texte identifizieren würden, biegen wir scharf nach rechts ab, dann gleich wieder nach links, und fahren am Hafen entlang in Richtung der Fähre. Sie wird mich zum luftig-grünen Zipfel jenseits der „Bucht des Friedens“ übersetzen. Ein infrastruktureller Alptraum, sind die knapp 200 Meter, die mangels einer Brücke mit zwei kleinen Fährschiffen überquert werden müssen, dennoch in gewisser Hinsicht ein Segen. Jenseits dieser paar Meter indischen Ozeans ist die enge Stadt plötzlich weiter weg, als sie tatsächlich ist. Hier gibt es keinen Lärm und keinen Stau. Stattdessen Kühe, Kokospalmen, das Türkis des Ozeans im Augenwinkel, das Grün der dichten Vegetation vor mir und den ostafrikanischen Himmel blau darüber. Die Stadtverwaltung plant eifrig eine Brücke, oder sogar zwei, und am besten noch eine Unterführung (!) unter der Bucht auf die andere Seite, um dieses wertvolle Stück Land endlich an die Stadt anzuschließen. „Mji Mpya“ soll das werden, die neue Stadt. Am Reissbrett entworfen, im Computer simuliert, für die Reichen ein Geschenk, für die ländlichen Bewohner der anderen Seite das Ende ihrer ruhigen Tage. Aber für die ist die neue Stadt ja bitte auch nicht gedacht. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auf der anderen Seite, nach einigen Minuten Fahrt, an der Ecke, an der einst ein riesiger Mangobaum den Mopedtaxi-Fahrern Schatten spendete, bevor er vor einigen Wochen umgeholzt wurde, biegen wir rechts ein. Jetzt sitzen die Jungs in der prallen Sonne auf ihren indischen und chinesischen Motorrädern, winken mir überrascht zu. Sie alle kennen mich, schließlich nehme ich gerne und fast täglich ihre Dienste in Anspruch, und so viele Bleichgesichter navigieren sie nun auch wieder nicht um ihre Schlaglöcher herum. Durch ebendiese müssen Ben und sein Taxi sich quälen, um den Weg ans andere Ende des Dorfes zu finden, zum Compound meines Vermieters Johnson, in dessen Hof ich nun sitze und auf solche Art und Weise auf die Knöpfe meines Computers drücke, dass dabei irgendwie diese Zeilen zustande kommen. Die aufscheinenden Pixel stehen für Buchstaben, die wir zusammensetzen zu sogenannten Wörtern, die, in Reihe gesetzt, einen Sinnzusammenhang namens Satz ergeben. Das ganze steht wiederum für transkribierte Lautabfolgen, die wir eigentlich mit unseren Atem- und Sprachorganen erzeugen, ihr kennt das sicher. Mit diesen Lauten verweisen wir im Allgemeinen auf Dinge, die wir in der Welt wahrzunehmen glauben. Aber diese Laute und Worte, diese Pixel, Buchstaben und Sätze - sie &lt;i&gt;sind &lt;/i&gt;nicht diese Dinge, oder? Wunder der Welt, des Lebens, oh Wunder der Technik. Ich kann dir, lieber Leserin, leider nicht erklären, wie das alles funktioniert, bin aber insgeheim begeistert. Und benutzen wir nicht jeden Tag diese Dinge, auch Computer, und drücken darauf herum als hinge unser Leben davon ab? Und wissen dabei gar nicht, wie das eigentlich funktioniert? Faszinierend.</description>
    <dc:creator>lekke</dc:creator>
    <dc:subject>Fieldwork</dc:subject>
    <dc:rights>Copyright &#169; 2012 lekke</dc:rights>
    <dc:date>2012-07-16T11:48:00Z</dc:date>
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  <item rdf:about="http://lekke.twoday.net/stories/97069530/">
    <title>Alles Wüste?</title>
    <link>http://lekke.twoday.net/stories/97069530/</link>
    <description>Neulich in der Spiegelhalle des Theater Konstanz, die vierte Veranstaltung des Projekts &quot;Alles Wüste? Forschungsreisen nach Afrika.&quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;img width=&quot;400&quot; alt=&quot;Thomas Kirsch, &amp;quot;Frau Professor&amp;quot; Susi Wirth, und ich. Foto Julia Scheller&quot; title=&quot;Thomas Kirsch, &amp;quot;Frau Professor&amp;quot; Susi Wirth, und ich. Foto Julia Scheller&quot; src=&quot;https://static.twoday.net/lekke/images/thater.jpg&quot; height=&quot;236&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gebrauchte Schuhe, Polizeirazzien, Zukunftsängste: Armut ist Alltag in Afrika. Doch wie sieht die Zukunft aus, wenn man jeden Tag bei Null startet? Zwei Forscher – ein Thema. Das ist Ausgangslage für eine ethnologische und künstlerische Beschäftigung mit einem unbekannten Afrika. Zum vierten Mal trifft sich »Frau Professor« Susi Wirth mit einem Ethnologen zu einem Glas Wein. Diesmal mit Alexis Malefakis, der gerade in Tansania die Geheimnisse eines Straßenschuhverkäufers studiert hat und seine taufrischen Forschungsergebnisse nun in der Spiegelhalle mit »Frau Professor« live diskutiert. Prof. Dr. Thomas G. Kirsch, diesmal als »Special Guest«. Ein Schlagabtausch der anderen Art – mit Powerpoint und Akkordeon.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
vlnr. Thomas Kirsch, &quot;Frau Professor&quot; Susi Wirth, und ich.</description>
    <dc:creator>lekke</dc:creator>
    
    <dc:rights>Copyright &#169; 2012 lekke</dc:rights>
    <dc:date>2012-06-29T18:34:00Z</dc:date>
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  <item rdf:about="http://lekke.twoday.net/stories/97037022/">
    <title>zhn ml sbzg zchn</title>
    <link>http://lekke.twoday.net/stories/97037022/</link>
    <description>Manche sagen, wenn wir mit anderen Menschen kommunizieren werden wir zu Schauspielern: Wir haben ein einstudiertes Repertoire an Gestik und Mimik das unser Gegenüber deuten kann, weil es zur gleichen Theatertruppe gehört und mit den gleichen Gesten und Minen auf unsere Darstellung reagiert. Wir teilen dieses Repertoire, weil wir alle irgendwie zur gleichen „Kultur“ gehören, oder so ungefähr wissen, welche Gesten und Minen in der „Kultur“ unseres Gesprächspartners als akzeptabel gelten. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als Feldforscher... ein durch und durch bescheuertes Wort, an dessen statt ich außerdem ständig „Feldfroscher“ in die Tastatur wurstfingere, weshalb ich es fortan durch das schönere Wort „Feldfrosch“ ersetzen werde. Der Feldfrosch also performt auch, vor zwei Publika noch dazu: Einmal natürlich stehen wir auf der Bühne der Wissenschaft, wo wir uns und unsere Leistungen vor den Kollegen und Kolleginnen zumeist schriftlich Aufführen. Auch hier gelten kulturelle Konventionen, die in anderen „Kulturen“ nicht unbedingt bekannt oder praktikabel sind. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Noch davor aber, man sollte es nicht vergessen, performen wir uns vor den Menschen denen wir im Alltag unserer Forschung begegnen, und denen wir erklären wer wir sind und was wir von ihnen wollen. Diese Aufführung findet zunächst ohne Probe statt, aus dem Stegreif, und ein anerkanntes Repertoire an Gesten und Minen dafür gibt es eher nicht. Der Feldfrosch quakt erstmal nach dem Prinzip trial-and-error und hofft auf den berühmten „informed consent“: auf das Verständnis der Menschen für das was er von ihnen will, und dass sie darüber hinaus auch noch damit einverstanden sind, dass der Feldfrosch sich bis auf weiteres in alles was sie tun und sagen einmischt, und am Ende all das in ein dickes Buch schreibt um seine Karriere voranzutreiben, wovon die Menschen vor Ort dann wiederum herzlich wenig haben. Du siehst also, liebe Leserin, es ist ein schmaler Grat, auf dem da ins „Feld“ gehüpft wird, und über vielen lässt sich streiten. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn es schon kein allgemein bekanntes Repertoire für diesen „Feldeinstieg“ gibt, so gibt es doch anerkannte Requisiten dafür: Notizblock und das Aufnahmegerät zeigen allen Menschen im „Feld“ an, dass dieser Frosch gekommen ist, um „Daten“ für die Analyse mit nach Hause zu nehmen. Den Notizblock aus der Tasche zu ziehen, während man mit einem neuen Freund an der Straßenecke sitzt und dieser einem gerade intime Details aus seinem privaten Leben offenbart, kommt praktisch einer Entzauberung des Alltäglichen gleich: Gerade waren wir noch Freunde, ganz normal, die sich Geschichten aus ihrem Leben anvertrauen. Auf einmal heißt es „Vorhang auf für das Theater der Feldforschung“: „Was dagegen wenn ich mir das eben notiere, wie dir damals deine Frau das Herz gebrochen hat?“ Die Beziehungen zu den Menschen im „Feld“ sind eben von doppelter Natur, einerseits freundschaftlich, zum anderen aber eben auch professionell (zumindest für den Feldfrosch). Die Requisiten der Feldforschung markieren diesen Übergang, den Szenenwechsel. An welchem Punkt aber ist eine Beziehung zu einem neuen Freund stabil genug, um eine solche Umdeutung zu überleben?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;img width=&quot;400&quot; alt=&quot;Hier besteht kein Zweifel: Der Feldfrosch mit Aufnahmegerät ist gekommen um &amp;amp;quot;Daten&amp;amp;quot; mit nach Hause zu nehmen.&quot; title=&quot;Hier besteht kein Zweifel: Der Feldfrosch mit Aufnahmegerät ist gekommen um &amp;amp;quot;Daten&amp;amp;quot; mit nach Hause zu nehmen.&quot; src=&quot;https://static.twoday.net/lekke/images/Requisite-1.jpg&quot; height=&quot;356&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;i&gt;Auf der Bühne der Forschung: Das Aufnahmgerät aus&lt;br /&gt;
der Tasche gezogen. &lt;br /&gt;
Foto © Link Reuben 2011&lt;/i&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich habe mir diese Frage oft gestellt, als ich anfing, mit den Straßenhändlern abzuhängen. Und ich muss ehrlich sagen: Oft hatte ich Angst, dass ich zu neugierig erscheine und man keine Lust mehr hat mit mir zu reden, wenn das allgemeine Geschnatter und Gequake am Maskani dann immer gleich von diesem komischen weißen Frosch aufgeschrieben wird. Also habe ich es oft einfach bleiben lassen. Wobei, das stimmt nicht ganz. In manchen Fällen habe ich durchaus Notizen gemacht. Aber dabei habe ich eine Requisite der lokalen Bühne verwendet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Denn wir alle spielen nicht nur Theater, wir alle tippen auch ständig auf unserem Mobiltelefon herum. Auch wenn sie meistens kein Geld haben um sich Telefonguthaben zu kaufen, so haben doch fast alle meiner Freunde ein Mobiltelefon, wie schrottig auch immer. Wenn die Nachmittagsstunden an der Straßenecke lang wurden und keine Kundinnen vorbeikamen, fand ich immer einige Jungs die gelangweilt auf die Displays ihrer Telefone starrten, Musik auf den eingebauten MP3-Playern hörend, Fotos von der Kamera des Telefons ansehend, oder Kurzmitteilungen lesend und schreibend. Manches Mal haben wir uns über verschiedene Typen von Telefonen oder die Vorzüge von Originalen (wie meinem) gegenüber chinesischen Imitaten (wie die meiner Freunde) unterhalten. Ich wurde um Übersetzung gebeten, wenn einer meiner Freunde eine englischsprachige Werbe-Mitteilung seines Anbieters erhielt, oder er Probleme mit dem Menü seines Telefons hatte. Zu meinem „Feldeinstieg“ gehörte auch das Austauschen von Telefonnummern und das Kommunizieren per Anruf oder Kurzmitteilung. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn also mein Kopf voll war von Eindrücken und Informationen, gab mir das Telefon eine Möglichkeit, schnell ein paar Dinge in die „Memo“-Funktion zu tippen, ohne dabei als der aufdringliche Eindringling zu erscheinen, der ich ja eigentlich bin. Ich zog also den Vorhang in diesen Situationen nicht zur Seite, sondern beließ einen Teil der Feldforschung unsichtbar hinter den Kulissen und den Requisiten. Nach einem Gespräch mit einem meiner Freunde konnte ich mich hinsetzen und rasch notieren „Ms vrhrtt schwstr rshd, glch drf“. Aber was bitte sollte das heißen? &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Genauso überrascht war ich, wenn mich eine Kurzmitteilung eines meiner Freunde erreichte, etwa wie „vp m2 wng? cjui 2ktane lni“. Weil die Zeichenanzahl für Mitteilungen begrenzt ist, haben sich bestimmte Konventionen der Abkürzung für Kurzmitteilungen herausgebildet. Vokale werden grundsätzlich ausgelassen, und die Kiswahili Vorsilben „tu-“ („wir“) oder „si-“ („ich...nicht“) durch die englischsprachigen Homophone „2“ und „c“ ersetzt. Die Kurzmitteilung bedeutete also „vipi mtu wangu? sijui tukutane lini“, zu Deutsch „was geht ab mann? ich weiß nicht wann wir uns treffen sollen“. Diese lokalen Konventionen der Kommunikation habe ich mir angeeignet um die zehn mal 70 Zeichen der „Memo“-Funktion meines Samsung E1120 möglichst erschöpfend für kurze Notizen im „Feld“ zu nutzen. Obiges Kryptogramm heißt also tatsächlich „Mussa ist verheiratet mit der Schwester von Rashid, sie kommen aus dem gleichen Dorf“. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Informed consent“ habe ich für diese Praxis der Feldforschung nicht erfragt, ich bekenne mich schuldig (Abgesehen davon aber wissen selbstverständlich alle am Maskani über meine Forschungsabsichten Bescheid). Mein Telefon auf diese Weise umzunutzen erlaubte mir aber, meine körperliche Performance an die lokalen Gegebenheiten anzupassen: Zumindest für einige Momente kam der Feldfrosch zur Ruhe und tat etwas völlig „normales“, nämlich rumhängen und in sein Telefon starren. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das alles hat mir in den ersten Wochen den Einstieg erleichtert. Die kleinen Informationen, die ich so sammelte, haben mich zu einem besseren Klatschmaul gemacht, weil ich mir nach und nach mehr merken konnte. Ich konnte also immer mehr an den Gesprächen teilnehmen. Später übrigens habe ich es dann doch vorgezogen die anerkannten Requisiten hervor zu kramen und ins gleißende Rampenlicht der Feldforschung zu springen: Quak quak.</description>
    <dc:creator>lekke</dc:creator>
    <dc:subject>Fieldwork</dc:subject>
    <dc:rights>Copyright &#169; 2012 lekke</dc:rights>
    <dc:date>2012-05-28T12:00:00Z</dc:date>
  </item>
  <item rdf:about="http://lekke.twoday.net/stories/97027276/">
    <title>&quot;Alexis filmt mich damit man mich in Deutschland sieht&quot;</title>
    <link>http://lekke.twoday.net/stories/97027276/</link>
    <description>...bitte sehr (auf Bild klicken):&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;a href=&quot;http://youtu.be/jw9Dixq93c0&quot;&gt;&lt;img width=&quot;400&quot; alt=&quot;muvi1&quot; title=&quot;&quot; src=&quot;https://static.twoday.net/lekke/images/muvi1.jpg&quot; height=&quot;299&quot; /&gt;&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;
(c) Link Reuben und Alexis Malefakis 2012&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Featuring:&lt;br /&gt;
Andumi&lt;br /&gt;
Chedo&lt;br /&gt;
Mako&lt;br /&gt;
Hashiri&lt;br /&gt;
Ndolanga&lt;br /&gt;
Babkubwa&lt;br /&gt;
Mtanga&lt;br /&gt;
Wa Kusepa&lt;br /&gt;
Dulatax&lt;br /&gt;
Ibra&lt;br /&gt;
Wa Majukumu&lt;br /&gt;
Dickson&lt;br /&gt;
P Diddy&lt;br /&gt;
Kamale&lt;br /&gt;
Rashidi&lt;br /&gt;
Charles&lt;br /&gt;
Nasolo&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gewidmet den &quot;Jungs&quot; vom Maskani.</description>
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    <dc:subject>Fieldwork</dc:subject>
    <dc:rights>Copyright &#169; 2012 lekke</dc:rights>
    <dc:date>2012-05-21T18:11:00Z</dc:date>
  </item>
  <item rdf:about="http://lekke.twoday.net/stories/97011716/">
    <title>Einheimischgehen</title>
    <link>http://lekke.twoday.net/stories/97011716/</link>
    <description>Schwer zu sagen, wie schockiert er gewesen sein mag, der heilige Ambrosius. 387 fand er sich eines Samstags in Mailand an voll gedecktem Tische, während seine Gebetsbrüder im heimischen Rom üblicherweise samstags fasteten. Schwamm drüber, dachte sich der Kirchenvater, „cum Romanum venio, ieiuno Sabbato, cum hic sum, non ieiuno“. Klug hat er das gesagt, so klug, dass Barbra Streisand sich 1964 sein programmatisches Diktum auslieh und das mittlerweile auch schon wieder vergessene „When in Rome, I do as the romans do“ trällerte. Die Bangels übernahmen 1987 das Thema dann irgendwie in „Walk like an Egyptian“, brachen es so auf das Niveau der allgemeinen Knalloballo-Kultur herunter. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Manche sagen ja „Kultur“ wenn sie an Musik, Theater oder Literatur denken. Andere sagen, die Amerikaner zum Beispiel hätten gar keine, sondern nur große Autos, schlechte Ernährung und diese bunten Fähnchen überall. Wenn man dann genauer darüber nachdenkt stellt man fest, dass man gar nicht genau sagen kann, was denn Kultur nun sein soll. Ist es das, was wir Essen nicht genauso wie das, was wir mit Hilfe von Sprache hervorbringen? Und unsere ästhetischen Urteile bezüglich Kleidung, Wohnungseinrichtungen, Frisuren, sind das nicht auch kulturelle Erscheinungen, die zum Beispiel schon zwischen München und Konstanz unterschiedlich ausfallen? So viele alltäglichen Handlungsabläufe vollziehen wir völlig unreflektiert. Und erst wenn man sich aus der eigenkulturellen Perwoll-Komfortzone einmal herauswagt und in fremde Gefilde begibt, merkt man, was da alles skriptartig abgespult und niemals hinterfragt wird. Irgendwie ist alles, was Menschen machen, doch kulturell, und das eben überall ein bisschen anders, wie der Ethnologe bestätigen kann. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn Kultur nicht gerade in Theaterstücken und dicken Schmökern vorliegt, kann man sie auch als eine Art „zweite Umwelt“ verstehen, eine Art Schnittstelle, mit der jeder Einzelne an seine soziale und natürliche Umwelt andockt. Diese Schnittstelle ist uns in großen Teilen gar nicht bewusst, sondern wächst mit uns, während wir in unsere soziale Umwelt hineinwurzeln.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es ist dann gar nicht so leicht, diese unterbewussten Skripte zu überwinden, wenn man versucht, sich in eine andere „Kultur“ einzufinden. Es dauert seine Zeit. Man muss die eigenen Vorannahmen, die meist eben unbewusst sind, auf die Seite schieben, und versuchen, die Vorannahmen der Leute um einen herum so weit wie möglich zu verstehen. Das ist nicht zuletzt der Grund, warum Ethnologen bei ihren Forschungen so lange Zeit vor Ort bleiben. Angefangen bei körperlichen Routinen. Wie oft bin ich in Dar in Leute reingelaufen, die mir auf der Straße entgegenkamen (ein rhetorische Frage)? In Deutschland gehen wir rechts aneinander vorbei, das mag dem Rechtsverkehr unserer Straßen geschuldet sein. In Dar jedenfalls zielt man auf die linke Seite seines Entgegenkommers.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das ist aber nicht gemeint mit dem Begriff &quot;going native&quot;. Gemeint ist damit eine ethnographische Pathologie: Feldforscher, die sich in ihrer Gastgesellschaft irgendwann mehr zuhause fühlen, als dort, wo sie einst hergekommen sind. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Lange Zeit saß ich an der Straßenecke und habe nicht verstanden, nicht verstanden was die Leute reden, was die Leute machen, warum sie lachen, wenn ich versuche etwas geistreiches von mir zu geben. Mittlerweile ist das anders. Ich bin über mich selbst erstaunt, wie selbstverständlich ich mich in der Straße bewege, Dinge intuitiv verstehe, die mir zu Beginn meiner Zeit ein Rätsel waren. Die Kunst der Ethnographie ist ja letztlich das, was nun für mich selbstverständlich geworden ist, wieder zu entblättern. Und Dinge, die man nicht reflektiert ganz explizit in allen Einzelheiten auszubuchstabieren ist keine leichte Aufgabe. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber soweit bin ich noch nicht. Nun bin ich erst mal zurück im Ländle, jawohl, Konschdanz hat mich wieder. Also laufe ich nun auf der anderen Seite in die Leute rein. Verzeiht, liebe Konschdanzer, ich weiß nicht ob ich hier zu Besuch bin, oder ob ich hier zuhause bin, oder wo ich denn nun hingehöre. Mein Koffer steht jedenfalls noch mehr oder weniger unausgepackt in meinem Zimmer.</description>
    <dc:creator>lekke</dc:creator>
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    <dc:rights>Copyright &#169; 2012 lekke</dc:rights>
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  <item rdf:about="http://lekke.twoday.net/stories/96997754/#97007591">
    <title>danke...</title>
    <link>http://lekke.twoday.net/stories/96997754/#97007591</link>
    <description>...für eure kommentare! wie ihr sicher aus meinen anderen posts herausgelesen habt, bin ich insgesamt nicht so negativ eingestellt, wie in diesem unschönen text. aber manchesmal muss man sich und seiner seele luft machen. es ist nicht leicht als europäer gewisse aspekte der lebensrealität in tansania nah an sich heranzulassen. ich reagiere mit existenzangst, wenn ich versuche nachzuvollziehen, welche perspektive eigentlich die menschen um mich herum auf ihre leben haben. &lt;br /&gt;
ich freue mich, wenn das hier auch ein forum werden kann bei dem jeder mitredet, und nicht nur ich monologisiere! also bleibt dran und gebt schön euren senf dazu, dann schmeckts besser!&lt;br /&gt;
lekke</description>
    <dc:creator>lekke</dc:creator>
    
    <dc:rights>Copyright &#169; 2012 lekke</dc:rights>
    <dc:date>2012-04-29T10:01:25Z</dc:date>
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    <title>Mein Sohn macht seit Januar 2012 ein Praktikum bei APCCC in Uganda. Das ist eine...</title>
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    <description>Mein Sohn macht seit Januar 2012 ein Praktikum bei APCCC in Uganda. Das ist eine Organisation, die Solarmodule und Solarkocher verbreiten will, um die Abholzung zu stoppen. Um andere Arbeitsbedingungen zu schaffen als illegales Holzfällen, will sie Mikrokredite vermitteln. Ich denke, diese Art von Entwicklunghilfe ist vielleicht sinnvoll. Aber was Korruption und politische Eliten anbelangt, ist Uganda sicher vergleichbar. &lt;br /&gt;
Mein Sohn ist zur Zeit in Tansania, da APCCC dort ihren Hauptsitz hat. Im Moment ist er unterwegs nach Daressalam. Ich hoffe, er ist nicht so frustriert von der Stadt. Aber er hat ja nicht diese Kontakte zu den Bewohnern. In Uganda wohnt er in einem kleiner Dorf. Das ist sicher nicht vergleichbar mit Daressalam. Er hat auch einen blog: claudiusontheway. &lt;br /&gt;
Ich bin gespannt auf weitere Berichte!&lt;br /&gt;
Gruß Bruni</description>
    <dc:creator>brunibaumann</dc:creator>
    
    <dc:rights>Copyright &#169; 2012 brunibaumann</dc:rights>
    <dc:date>2012-04-27T09:43:09Z</dc:date>
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    <title>Mir ist noch was eingefallen</title>
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    <description>du darfst nicht vergessen, dass Du hier von Dar es Salaam sprichst. Einer total übervölkerten Stadt. Ich finde, auf die passt dein Text hin und wieder ganz gut. (Und auf den Straßenverkehr einfach ausnamslos immer). Auf dem Dorf sieht das allerdings ganz anders aus.</description>
    <dc:creator>marianengraben</dc:creator>
    
    <dc:rights>Copyright &#169; 2012 marianengraben</dc:rights>
    <dc:date>2012-04-20T22:07:39Z</dc:date>
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